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Die Kunst der Verhüllung

Sie ist nicht hübsch sondern eher praktisch und definitiv religiösen Hintergrundes. Mit diesem Stigma hat Modest Fashion schon lange zu kämpfen. Wie viel hat Modest Fashion aber wirklich mit Religion zu tun?

Von Vanessa Votta

Modest Fashion

Modest bedeutet übersetzt soviel wie bescheiden oder züchtig und das muss nicht per se mit Religion zusammenhängen. Viele halten sich modetechnisch einfach lieber bedeckt.

Bescheidenheit ist nichts Schlechtes. Ganz im Gegenteil. Einerseits sind uns bescheidene Menschen lieber, als Personen, die stets im Mittelpunkt stehen müssen. Andererseits setzen wir auch in der  Mode häufig auf bescheidene Basics, die sich mit allem kombinieren lassen. Wieso also fällt es uns so schwer Modest Fashion diskussionslos in die Gesellschaft einzubringen? Denn es geht nicht mehr nur um Religion, sondern um eine weitverbreitete Modelücke.

© Bilder von Vanessa Votta

Wir sind uns im Alltag über vielerlei Herkünfte und Traditionen nicht bewusst. Besonders in der Modewelt treten wir immer wieder in nicht ganz ethisch vertretbare Fettnäpfchen oder kämpfen mit Vorurteilen. Auch bei der bedeckten Kleiderwahl. Denn der Ursprung der Modest Fashion liegt Jahre zurück und begann damit, dass sich Frauen einfach lieber bedeckt gekleidet haben und nicht weil sie ihr Glaube dazu gezwungen hat.

Die Geschichte geht bis ins 8. Jahrhundert zurück, ja richtig gelesen. Schon im pre-islamischen Arabien wurde von Frauen und Männern lange und lockere Kleidung getragen. Dieser Kleidungsstil hielt sich über verschiedene Zeiträume und in verschiedenen Kulturen. Im osmanischen Reich des 14. Jahrhunderts drückte die Kleidung einer Frau Eleganz und Status aus. Bestickte Kopftücher oder Kopftücher mit Edelsteinen waren weit verbreitet. Ein paar Jahrzehnte später war die Kopfbedeckung dann nicht mehr ganz so pompös, sondern entwickelte sich eher schlicht. Doch die Definition dessen was von den Frauen getragen werden sollte, war damals nicht ganz so konform wie wir es uns jetzt vielleicht vorstellen. Die «züchtige» Frau wurde nicht nur anhand ihrer Kleidung identifiziert, sondern vor allem durch ihre Handlungen.

© Bilder von Vanessa Votta

Die Überschneidung des muslimischen Glaubens und der Modest Fashion führte dazu, dass wir die bedeckte Kleiderwahl sofort mit dem Islam in Verbindung setzen. Was mit fast einer Billion muslimischer Frauen, zwar einen riesigen Teil einnimmt, jedoch nicht der einzige ist.

Die Modest Fashion boomt und geniesst ihren Augenblick auf Laufstegen wie der London Fashion Week. Mit verschiedenen Prints und Materialien wird die nicht mehr so bescheidene Mode leichter zugänglich für alle. Und damit immer mehr zur Normalität.

Wie heute niemand mehr anhand seines Aussehens verurteilt werden möchte, so sollten wir auch andere für ihre Kleiderwahl nicht verurteilen. Vielleicht steckt mehr dahinter als wir ahnen.