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Woher bisst du, Maxim?

Maxim Dikov ist wurzel- und geburtstechnisch Russe, herztechnisch Italiener, wohntechnisch, seit 1999, Schweizer und unser Gast bei «Woher bisst du?» – mit einem Rezept aus Russland.

Von Leila Alder

Maxim Dikov

Wenn Maxim gerade keinen Pelmeniteig mit von ihm geleerter Rotweinflasche flachrollt, dann studiert er Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Zürich und hat ganz nebenbei noch den Jam Verein Resonance ins Leben gerufen. Was er über sein Wurzeln, Essen, Kultur und Gesellschaft so denkt, hat er uns, eben beim Pelmeni machen verraten.

Maxim, woher bisst du? Verrat es uns!

Rossiya! (In russischem Akzent)

Was liebst du am meisten an deiner Kultur?

Klarer Fall; das Trinken! Ansonsten finde ich die Roughness Russlands recht speziell. Diese ist womöglich auf die nicht ganz so unproblematischen Geschichte Russlands, die Scheiss Kälte im Winter und die beschissenen Lebensumstände, sofern du nicht zur Elite gehörst, zurückzuführen. Spannend ist jedoch, dass die Leute eigentlich mega warm, grossherzig und vor allem grosszügig sind. Was ich ebenfalls recht feiere; hier in Zürich sind so viele Menschen eigentlich total angepisst, setzen aber jeden Tag ihre «My-Life-is-great-Maske» auf und ziehen sich dann auf dem Klo paar Lines rein. In Russland sind sie ebenfalls oft angepisst – sie haben schliesslich doch noch ein, zwei Probleme mehr als wir. Gerade deshalb geben sie wohl einen Fick auf ihr Image und zelebrieren ihre Angepisstheit so richtig.

Woran erinnert dich dieses Gericht?

An keinen bestimmten Moment, wenn ich ehrlich bin. Einfach nur an Russland. Vorletztes Mal in Moskau, das war vor ca. 8 Jahren, habe ich jeden verdammten Tag Pelmeni gegessen. Vor ein paar Wochen hatte ich einen Pelmeni-Talk mit meinem Vater und wir mussten feststellen, dass es tatsächlich eine Challenge ist, in der Schweiz ein Restaurant zu finden, welches Pelmeni serviert und die Bäuche von Heimwehrussen stillt. Marktlücke – Heimwehrussen haben viel Geld! Du kriegst die Dinger also wirklich nur in Russland. Oder bei mir.

Welche Länderküche magst du am liebsten?

Die italienische! Mein Stiefvater ist Ticinese. Wir reisten so ziemlich in jeden Ferien nach Italien. Meist nach Genova. Dadurch habe ich viel von der Kultur mitbekommen, fast mehr als von der russichen sogar. Ich war tatsächlich öfters in Italien als in Russland. An der italienischen Küche mag ich vor allem die Einfachheit. Sie haben irgendwie einfach immer mit dem gekocht, was sie halt da hatten, und genau das tun sie immer noch. Die Traditionen und Rezepte halten sich bereits seit Jahren und werden meiner Meinung nach so schnell auch nicht verschwinden. Das finde ich einzigartig.

Welche gesellschaftliche Bedeutung denkst du, hat das Essen?

Wenn wir schon bei Traditionen sind: Kulturelle Rahmen gehen immer mehr verloren, dennoch definieren sich Menschen, heute mehr als je zuvor, über ihr Essen. Poké Bowls sind in, also isst man sie und postet sie bestenfalls noch schnell auf Insta. Der direkte Bezug zu den Gerichten ist nicht mehr vorhanden. Das Handwerk geht damit ebenfalls verloren. Fast keiner nimmt sich mehr Zeit zum kochen. Auf der anderen Seite, spürt man bei unserer Generation ein starkes Verlangen nach dem Sharing is Caring – daher schaue ich positiv in die Zukunft. Essen und das Zusammenkommen ist schliesslich eines der meist verwurzelten Dingen in uns – das kommt gut!

Das authentischste Pelmeni-Rezept von Maxim

Für den Teig
2 Eier
1 Esslöffel Pflanzenöl
180cl warmes Wasser
300g Mehl
Mehl zum Rollen 1 Esslöffel Salz

Für die Fleischmischung
600g Rindfleisch, gehackt 
1 grosse Zwiebel
3 Knoblauchzehen
1 Esslöffel Salz
1 Esslöffel Pfeffer 

Fürs Anrichten
Sauerrahm
Petersilie

So geht der Teig
Mehl und Salz in eine Schüssel geben und gut durchmischen. Die flüssigen Zutaten hinzufügen und alles gut zu einem Teig vermischen. Solange kneten bis der Teig eine fester Konsistenz erhält und nicht mehr klebt. Den Teig in Frischhaltefolie packen und für mindestens 30 Minuten ruhen lassen. 

So geht die Fleischmischung
Zwiebel fein hacken und in Pflanzenöl auf kleiner Hitze anbraten bis sie transparent wird. Knoblauchzehen fein hacken und zu der Zwiebel hinzugeben. Weiterhin auf kleiner Hitze anbraten anschliessend salzen und pfeffern. Nach ca. 2-3 Minuten aus der Pfanne nehmen, zum Rindfleisch in eine Schüssel geben und alles gut vermischen.

Wenn der Teig lange genug geruht hat aus der Folie nehmen und ca. 1-2mm dünn ausrollen. Mit einem (Wein-)Glas Kreise ausstechen. Jeweils einen Teelöffel von der Fleischmischung in die Mitte der Teig-Kreise geben. Oberes Ende des Kreises auf das andere Ende legen und gut zusammendrücken. Beide Zipfel zueinanderführenund zusammendrücken.

Wasser aufkochen und ein wenig salzen. Pelmeni hinzugeben und warten bis sie an der Wasseroberfläche auftauchen. Sobald sie dies tun, noch 2 Minuten kochen lassen. 

In der Zwischenzeit eine Pfanne mit 2 Esslöffel Butter erhitzen und schmelzen lassen. Nach 2 Minuten Pelmeni in die Pfanne geben und kurz anbraten, bis sich eine leichte Kruste gebildet hat. 

Pelmeni mit Sauerrahm und Petersilie servieren.

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29. September 2020