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Why your art sucks

Der schmale Grat zwischen Geschmack und Können hindert so manche am kreativen Durchbruch. Kann das eigene Können überhaupt dem fortgeschrittenen Geschmack nachkommen? Soll es dies überhaupt?

Von Vanessa Votta

Im Verlauf des Lebens entwickelt sich bei Menschen ein Geschmack, eine Vorliebe, ein Schönheitssinn. Es gibt die eine Stilrichtung, von der sich Kunstschaffende inspirieren lassen. Klar also, dass die eigene Arbeit damit gemessen wird und daran ist auch nichts falsch. Es ist immer gut ein Ziel vor Augen zu haben. Trotzdem sollte uns der Tunnelblick nicht allzu sehr von unserem eigenen Können abbringen. Denn darin liegt für viele das Problem. 

Egal in welchem kreativen Bereich jemand tätig ist, oft entsteht ein Gap zwischen Geschmack bzw. Stil und Können. Man weiss, was man schön findet, in welche Richtung man mit der kreativen Arbeit gehen will, das heisst aber noch lange nicht, dass das Bild im Kopf auch auf Anhieb umgesetzt werden kann.

Der Geschmack ist oftmals schon viel weiter entwickelt als das Können. Diese Lücke zwischen dem was ist und dem was sein könnte, macht unzufrieden mit dem, was erschaffen wurde. Sie sorgt für Frustration und Demotivation. Nach einiger Zeit, kommt dann der Punkt, an dem aufgeben und sich einer anderen Tätigkeit widmen sehr verlockend klingt. Das bedeutet das Ende für viele Kreativschaffende. Da das eigene Können bis dato einfach nicht mit dem Geschmack übereinstimmt oder gar mithalten kann, wird Mensch das Gefühl nicht los, dass es das nie wird. Diese Phase zu überwinden braucht einen enormen Willen und viel Selbstvertrauen.

Ziel ist es nun eigentlich diesen Gap immer mehr und mehr zu schliessen, indem man sich mit seiner Arbeit weiterentwickelt. Sich immer mehr in Richtung des eigenen Stils hinarbeitet und diesen dann auch ausleben kann. Das wird nicht von heute auf morgen passieren. Anfangs werden die eigenen Kunstwerke vielleicht einfach scheisse und da gilt es auch offen und ehrlich mit sich selber zu sein. Das Talent mag vorhanden sein, doch das heisst nicht, dass die Arbeit auch immer gut ist. Sie hat schlichtweg das Potenzial sich weiterzuentwickeln. 

Manchmal ist es doch auch einfach wichtig sich einzugestehen, dass das künstlerische Feld, nichts für einen ist. «Kunst ist alles und alles ist Kunst». Eben nicht. Machen wir uns nichts vor, die Mehrheit von uns hat sich schon einmal ab einer Kunstinstallation gefragt und den Sinn oder Nutzen dahinter nicht ganz verstanden. Denn nicht alles was als Kunst betitelt wird, ist es auch. Zum Teil ist es halt einfach offen und ehrlich Crap – und ehrlich mit sich selbst zu sein, ist nämlich auch eine Kunst. 

Kunst ist ein breites Spektrum. Der Begriff an sich ist alles und nichtsaussagend zugleich. Deswegen ist das Festhalten am Geschmack, an etwas, das es schon gibt so verankert. Den Step aus der Komfortzone zu wagen und sich etwas zu widmen, das nichtexistent ist, das ist die wahre Kunst. Sich den eigenen Geschmack zu Nutzen zu machen und mit dem eigenen Können so zu vereinen, dass etwas Aussergewöhnliches entsteht – das ist Kunst. Wer sich zu sehr auf das Vergleichen der Stile und Geschmäcker konzentriert, verliert seine eigene Kreativität und die damit verbundene Freiheit. Die Freiheit in dem was man als schön empfindet, die Freiheit darin Potenzial zu erkennen in anderen und einem selbst. Seinem Geschmack nachzugehen ist wichtig aber, man sollte nie vergessen, das auch aus etwas Nichtvorhandenem etwas Schönes entstehen kann.

Foto von Rhona Wise EPA-EFE / Shutterstock, Kunst von Maurizio Cattelan «Comedian»