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Wenn Sprache verschwindet

Die Zukunft der Pflege entscheidet sich nicht nur an Betten und Budgets, sondern in der Frage, wie wir Menschen erreichen, wenn Sprache verloren geht. Mit einer KI, die Musik, Erinnerungen und die Muttersprache verbindet, zeigt das Projekt VRENI, wie Technologie Nähe schaffen kann – dort, wo sie am dringendsten gebraucht wird.

Von Gastautor*in

Ein Projekt von Jasmin Hauser

Die Schweiz wird älter. Und sie wird vielfältiger. Beides trifft sich in einem Ort, über den wir selten sprechen: dem Pflegeheim.

Demenz ist die teuerste Einzelerkrankung der Schweiz. Wer sie beobachtet, sieht, wie Sprache als Erstes geht, aber nicht die Erstsprache. Die zuletzt erlernte Sprache verschwindet zuerst. Was bleibt, ist die Muttersprache. Die Melodie der Kindheit. Der Dialekt. Die Sätze, die man nie vergisst.

Musik ist dabei etwas Besonderes. Sie hat nachweislich den längsten Zugang zu den Langzeiterinnerungen, auch bei fortgeschrittener Demenz. Ein vertrautes Lied kann einen Menschen zurückholen, der längst verstummt schien. Diese Erkenntnis ist in der Musiktherapie seit Jahren bekannt, aber musiktherapeutische Begleitung ist teuer, selten und an Fachpersonen gebunden, die in den wenigsten Pflegeheimen täglich verfügbar sind.

Gleichzeitig sind Schweizer Pflegeheime heute geprägt von jungen Pflegenden aus aller Welt. Menschen mit einem reichen kulturellen Erfahrungsschatz, die oft unter enormem Zeitdruck arbeiten und mitunter an einer Hürde scheitern: der Sprache. Wie baut man Vertrauen auf, wenn man sich nicht versteht? Wie aktiviert man jemanden, mit dem man keine gemeinsamen Worte hat?

VRENI versucht genau hier anzusetzen. Das KI-gestützte Audiogerät wurde im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste entwickelt und in vier Pflegeeinrichtungen erprobt. Es spielt personalisierte Geschichten und Musik in der Muttersprache der betroffenen Person, mit vertrauten Begriffen, mit Dialekt, mit Klängen aus der eigenen Biografie. Bedienbar mit einem einzigen Knopfdruck. Ohne musiktherapeutische Ausbildung. Für alle, die in der Pflege präsent sind.

VRENI schafft einen Raum mit Kontext, mit Wiedererkennungsmomenten, mit Stimmung, auf den die Pflegeperson Bezug nehmen kann. Ein Lächeln, eine Geste, ein Wort. Begegnung, auch ohne gemeinsame Sprache.

Die Vision dahinter ist bescheiden und dringend zugleich: Agitation reduzieren, den grössten Kostenfaktor in der Demenzpflege, ohne Medikamente. Menschen in ihrer Würde begleiten. Und Pflegende entlasten, damit sie das tun können, was nur Menschen tun können: präsent sein.

Du möchtest VRENI unterstützen? Das kannst du hier tun.

Mehr Informationen zum Projekt: vreni.ai

30. Juni 2026

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