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Wehrpflicht für Frauen oder doch nicht?

Frauen in der Armee gibt es seit Beginn des zweiten Weltkrieges. Nun treten sie auch vermehrt im Kader auf und gehen freiwillig in die Rekrutenschule. Frauen in der Armee haben einen enormen Mehrwert für das Militär. Wie sehen es aber weibliche und männliche Angehörige der Armee, wenn es um die Wehrpflicht für Frauen geht?

Von Sina Schmid

Allzu oft kommt das schlechte Argument der allgemeinen Wehrpflicht auf, wenn man über Sexismus und Feminismus diskutiert. «Ah, wenner also Glichberechtigung wend, wieso sinder denn nöd im Militär? Ebe genau.» Ja, okay Jonas, muss ich mit dir die RS machen bis du einsiehst, dass ich gerne den gleichen Lohn hätte? Oder Abends nach Hause laufen will, ohne ein Auge und Ohr für Gefahren offen zu halten? Danke dir.

Nach einem Interview mit einigen ADA’s, also Angehörigen der Armee, sprich Rekruten und ihren Vorgesetzten, war ich doch recht überrascht. 

Jedenfalls scheinen auch weibliche Kader nicht für die Wehrpflicht zu sein. An diesem Punkt ist wichtig anzumerken: Die militärischen Grade sind nicht gegendert, sprich der Sprachgebrauch ist nicht sehr inklusiv. Es gibt sie nur in männlicher Form; der Leutnant, der Oberst, der Hauptmann und so weiter. 

Ein interviewter Leutnant, 21, weiblich, ist gegen die Wehrpflicht für Frauen. Sie denkt ein Informationstag der für die gesamte Zivilbevölkerung Pflicht ist würde schon reichen, man müsse nicht noch Frauen gesetzlich verpflichten die RS (oder Vergleichbares) zu absolvieren. Sie selbst denkt nicht, dass eine Wehrpflicht für alle wirklich etwas Positives sei. Dennoch müssen Frauen besser darüber informiert werden, was das Militär für Möglichkeiten bietet. 

Ein anderes oft genanntes Argument: Nirgends sonst kann man in so jungen Jahren Führung aus erster Hand erleben und erlernen. Verschiedene Schulungen welche auch in der Zivilgesellschaft anerkannt sind bezeugen, dass die jungen Menschen als Vorgesetzte qualifiziert sind. Von dieser Opportunität sollen nicht nur Männer sondern auch Frauen profitieren können. 

Eine Gruppenführerin, also auch eine Frau im Militär mit Unterstellten, ist genauso gegen die allgemeine Wehrpflicht. Sie selbst begründete dies damit, dass sie nicht denke «Frauen mit langen Nägeln passen ins Militär, oder wenn sie meinen sich jeden morgen schminken zu müssen.» Ich weise sie darauf hin, dass diese Aussagen absolut problematisch und verallgemeinernd sind. Jede Frau ist sich bewusst, dass man im Militär praktisch ausgerichtet sein und hart anpacken muss. Sie verteidigt ihre Aussage damit, dass sie einfach nicht denkt, dass alle Frauen fürs Militär geschaffen sind. Das es auch Männer gibt, die nicht für den Wehrdienst geschaffen sind lässt sie ausser Acht. 

Ein Rekrut der den zwei Frauen direkt unterstellt ist schwärmt von ihrem Führungsstil, er sagt, es werde definitiv nicht unnötig rumgebrüllt. Allgemein kann man sagen, wo Frauen im Militär führen geht es zivilisierter zu. 

Dies bestätigt mir sogar ein Schulkommandant und Oberst. Die Stimmung scheint dann immer respektvoll aber bestimmt, statt wie sonst oft herablassend und aggressiv. 

Oft hörte ich auch, dass das Militär die Gesellschaft widerspiegelt. Grund für diese Aussage ist der wilde Mix von allen Hintergründen und Gesellschaftsschichten, ob Maler, Plattenleger, Student, Banker, alles ist vertreten. Lustig, ich wusste nicht dass es so wenig Frauen in der Schweiz gibt! Diese Aussage ist also, wenn wir uns den Frauenanteil ansehen ziemlich dumm. 

Neues Ziel: 10% weibliche Armeeangehörige, was zurzeit doch sehr surreal scheint. Wie dieser Anteil erreicht werden will ist mir persönlich ein Rätsel. Mindestens ein obligatorischer Informationstag für Alle müsste her, denn ich denke viele Frauen wissen nicht wirklich was es im Militär alles zu sehen und erleben gibt. Wo im Militär selbst weibliche ADA’s weder allzu selten noch übertrieben häufig sind: Sie werden akzeptiert und sind sogar gern gesehen. Rekruten wissen, dass die Sinnvermittlung im Vordergrund steht.

Wahrscheinlich werden wir noch lange nicht abstimmen ob jetzt auch Frauen einen Wehrdienst leisten sollen, dennoch wäre es spannend zu sehen wie sich das männerdominierte Feld verändern würde, wenn sich mehr Girls, auch ohne Pflicht, hinein begäben.