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Überarbeiten – hast du kein Burnout, war es nicht genug

Auf seine mentale und physische Gesundheit zu achten sollte cooler sein, als sich zu überarbeiten. Die Arbeit sollte doch nicht das ganze Leben einnehmen, geschweige denn eine grosse Obligation werden. Dass es hier auch um Privilegien geht, ist klar. Dennoch habe ich Mühe mit dem Gedanken, sich selbst in den Abgrund zu stossen.

Von Vanessa Votta

Ich bin voll und ganz der Meinung, dass Mensch für seine Träume kämpfen und alles dafür tun sollte, dass sie wahr werden. Auch wenn das heisst, dass ab und zu einige Überstunden oder All-Nighter geschoben werden müssen. Wenn man weiterkommen will, gehört das nunmal dazu. Doch es wirklich zu übertreiben, damit anzugeben und ständig davon zu erzählen wie viel man arbeitet, kann’s nicht sein. Nicht nur für den Körper kann das schwere Folgen haben, nein, auch für das Umfeld.

Personen, die mit ihren krassen Überstunden angeben, lassen mich daran zweifeln, ob ich denn genug mache und genug gut in dem bin, was ich mache. Ich hatte schon oft das Gefühl, zu wenig zu arbeiten – auch mit unzähligen Überstunden. Einfach weil die andere Person noch länger und noch mehr arbeitet. Doch bedeutet das gleich, dass meine Arbeit weniger wert ist, weil ich zu mir und meinem Körper schaue? Das sollte kein wiederkehrender Gedanke sein, denn ich arbeite genug. Dennoch lässt mich das Gefühl manchmal nicht los, dass ich mehr tun muss, um erfolgreich zu sein. Dass ich mich bis zum Umfallen in die Arbeit stürzen muss, dass ich bis in die Nacht am Laptop hängen und zu wenig schlafen muss, um wirklich etwas getan zu haben. 

Die ganze Zeit auf dem Sprung zu sein, keine Zeit für gar nichts zu haben und sich ständig darüber aufzuregen, dass man noch so viel zu tun hat, kann nicht gesund sein. Der meiste Stress und Druck kommt nicht von aussen, sondern von innen. Ich kenne das nur zu gut, man möchte allen zeigen wie viel man in einem Tag schaffen kann, ohne zusammenzuklappen. Ganz besonders sich selbst.

Ich bewundere Menschen, die extrem belastbar sind – wirklich. Ich wünschte ich wäre es in gewissen Situationen ein bisschen mehr. Aber bei jedem erlöscht diese Belastbarkeit nach einiger Zeit, die Freude geht verloren und die Arbeit nimmt alles ein. Ich liebe meine Arbeit und will nie das Gefühl haben den Spass daran zu verlieren, weil ich keinen Strich ziehen konnte. Ich möchte das, was ich tue noch ein Leben lang mit derselben Motivation und Power machen, das heisst aber auch einfach mal zurückzuschrauben und mich und mein Wohlbefinden in den Fokus zu stellen. Daran arbeite auch ich noch. Es ist nicht einfach auch mal «Nein» zu sagen, wenn es doch so Spass macht. Doch auf längerfristige Sicht tue ich mir damit nur Gutes und deep down weiss ich das auch.

Dass ich mich glücklich schätzen kann in so einer Situation zu sein, selbst entscheiden zu können, wie ich arbeite und meinem Traum nachgehen darf, ist mir klar. Nicht alle haben dieses Privileg und können sich und ihre Skills ausprobieren. Manchmal geht es einfach nicht anders als sich abzurackern.

Doch wer schon die Möglichkeit hat, seine Arbeit selbst einzuteilen und auf sich und die eigene Gesundheit Acht geben zu können, sollte das tun. Wir sind keine Maschinen es ist okay sich auch mal eine Auszeit zu gönnen, damit man nicht in jungen Jahren schon ausgepowert ist.

16. Mai 2021

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