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Schein oder Sein?

Zu oft überzeugen uns Oberflächlichkeiten, sodass die Unterscheidung zwischen Sein und Schein fast unmöglich zu bestimmen ist. Wirklich kennen kann man niemanden, zu viele Fälle haben dies bewiesen. Sind wir zu Menschen hingezogen oder nur zu dem wie sie uns fühlen lassen? Wieso das Idealisieren problematisch ist.

Von Sina Schmid

Besonders wenn wir jemanden kennenlernen der extrem toll scheint, beginnen wir nicht selten sie oder ihn zu idealisieren. Egal was diese Person dann macht oder von sich gibt: es fasziniert. Damit verbunden sind aber automatisch Erwartungen, welchen unsere Gegenüber nie gerecht werden können. Dieser Mensch wird dann in einem Licht gesehen, das bei kleinsten Fehltritten zu flackern beginnt. Niemand ist perfekt. So ist es mit dem Menschsein.

Das Wesen eines Menschen ist nicht wie er andere behandelt, oder wie diese Person uns fühlen lässt. Das Wesen ist mehr, es ist unantastbar aber sollte eigentlich das sein, was uns reizt. Es ist einfach jemanden gut zu finden, weil wir uns um diese Person wohl fühlen. Oder weil dieser Mensch gut erzogen ist, oder respektvoll oder einfach nett. Das reicht trotzdem nicht. Tolle Menschen gibt es wie Sand am Meer, doch wir müssen uns mit denen beschäftigen, die etwas in uns anregen. Dann geht es darum diese Anregung in Wissen umzuwandeln: Mensch wirklich kennenzulernen, zu hinterfragen und nicht auf einer Vorstellung aufzubauen.

Wenn wir uns wirklich damit beschäftigen, wen wir kennen und wen wir nur glauben zu kennen, wird schnell klar, dass Letzteres leider zu oft der Fall ist. Diese Vorstellungen von einem Menschen basieren auf Oberflächlichkeiten. Vielleicht reicht das gewissen unter uns, schade ist es trotzdem. Es ist einfach darauf zu beruhen und sich damit zufrieden zu geben. Die Idee die wir von jemandem haben ist nicht wer sie sind. 

Sein und Schein beinhaltet verschiedene Aspekte, unter anderem dass wir niemanden wirklich kennen, trotzdem versuchen müssen unter die Oberfläche zu spähen, dass Idealisierungen zu Enttäuschungen führen. Wie schade ist es, mit jemandem Zeit zu verbringen, aber eigentlich so sehr mit einer (falschen) Vorstellung beschäftigt zu sein und somit die Präsenz des wirklichen und unperfekten Menschen vor uns zu verpassen? 

Am schlimmsten ist das Idealisieren bei romantischen Partnern. Entweder wird jemand früher oder später enttäuscht, oder man ist mit einem Fremden zusammen. Die meisten werden sich jetzt denken: das ist ja bei den wenigsten der Fall. Leider nein. 

Viele Pärchen sind so mit dieser Notio des anderen beschäftigt, dass sie aneinander vorbeileben. Wer nicht bereit ist, das wahre Ich des Gegenübers in Kauf zu nehmen, sollte dessen Zeit nicht verschwenden. 

Wie schön wäre es, wenn wir uns mehr mit dem Sein statt dem Schein beschäftigen würden. Wie real, wie hässlich und doch wunderschön. Gaukeln wir uns gegenseitig kein falsches Interesse vor und verschwenden wir nicht unsere Zeit – die läuft nämlich schneller, als uns lieb ist.