Ein Projekt von Naira Morena Mathis
es geht noch 3.5h bis zum gipfel. bis zum gipfel der lesbischen sichtbarkeit. hauptsache karabiner überall. rustikal queer.
Diesen Sommer habe ich meinen Bachelor in Textildesign an der Hochschule Luzern abgeschlossen. Aufgewachsen bin ich in Graubünden, geprägt von Bergen, Natur und Funktionalität. Gleichzeitig hat mir das Stadtleben Raum gegeben, meine Queerness bewusster zu entdecken und auszuleben. Aus diesem Spannungsfeld entstand «rustikal queer».
In Zusammenarbeit mit der ZHdK gestaltete ich neun Kostüme für das Theaterstück «Es eilt nicht. Eines Tages kommen wir an.» Die Inszenierung, inspiriert von den humorvollen Geschichten rund um «Puuh der Bär», spielte im Wald und arbeitete mit fluiden Charakteren. Diese Offenheit bildete die Grundlage für meine gestalterische Auseinandersetzung.

Ausgehend von dieser Fluidität war es mir ein Anliegen, insbesondere weibliche queere Personen sichtbarer zu machen. Durch Queer Coding integrierte ich entsprechende Referenzen in die Kostüme. Als Basis diente upgecycelte Wanderbekleidung, aus der eine funktionale Grundausstattung für alle Schauspielenden entstand.


Zur Differenzierung der Figuren kamen wechselbare Strickaccessoires zum Einsatz. Durch das Tauschen dieser Elemente entwickelte sich eine eigene Welt aus unterschiedlichen Persönlichkeiten, ein Raum, in dem alle einfach sein durften, ohne sich anpassen zu müssen.

Da dieses Anliegen innerhalb der Theaterproduktion nur begrenzt Raum erhielt, entschied ich mich, die Kostüme nachträglich weiterzuentwickeln. In meiner theoretischen Arbeit setzte ich mich vertieft mit Queer Coding und lesbischer Modeästhetik auseinander, was die konzeptionelle Grundlage für die Weiterführung bildete.


In einer fotografischen Inszenierung rückte ich den queeren Ausdruck bewusst in den Vordergrund und schuf eine Repräsentation lesbischer Sichtbarkeit durch Kleidung. Daraus entwickelte sich schliesslich eine selbstermächtigende, queere Wanderbekleidungs-Kollektion.
Diese zeigte ich nach Studienabschluss an der «Slightly Mad Fashion Night» in der Zentralwäscherei Zürich. Durch performative Elemente konnte ich die Kollektion weiterentwickeln und stärker mit den Körpern der Performenden arbeiten. Das Ausloten des Spannungsfelds zwischen Rustikalität und Queerness bleibt für mich ein zentrales gestalterisches Interesse.


Der Weg zum Gipfel ist noch nicht zu Ende. Sichtbarkeit bleibt eine Frage von Haltung, Bewegung und Raum.
Credits ZHdK
Spieler*innen und Stückentwicklung: Annabelle Fabienne Matthies, Ann-Kathrin Stengel, Bruno Liebler, Elsa Voss, Franziska Baumeister, Juline Andresen, Regina Raimjanova, Ruby Betulius
Musik: Moritz Lieberherr
Projektleitung/Regie: Susanne Abelein
Bühne: Eva Lillian Wagner, Lucy Lou Wartmann (Raumkonzept & Umsetzung), Zora Brändle (Umsetzung)
Fotografien der Aufführung: Simon Boschi
Credits Bachelorarbeit Textildesign
Models: Lia Noemi Brönnimann, Aïssata Anna Paschke, Laura Susanna Canal
Styling und Fotografien Shooting: Naira Morena Mathis
Assistenz Shooting: Mira Walthert
Mentor*in: Franziska Born & Jonas Leysieffer
Support: Mira Walthert, Paula Clematide, Fiona Carnuccio, Lilienne Gutknecht, Larissa Binggeli, Lara Küenzli, Siv Keller, Rebekka Nitsch, Steffi Behrens, Michel Delaloye, Martisa Friberg, Mattea Widmer, Christina Mathis, Norbert Mathis
Credits SLIGHTLY MAD FASHION NIGHT
Models: Aïssata Anna Paschke, Rebekka Nitsch, Paul André Grieguszies, Samantha Cinthia Aquilino, Ibado Mia Ismaël Abokor
Organisiert von: ALLE BEIDE & NUVOL3NUVOL3
Location & Festival Organisation: Verein Zentralwäscherei
Sound Design: NUVOL3NUVOL3
Fotografie: Chiara Lötscher
Photo Assistant: Nedia Boutouchent
Hast auch du eine kreative Arbeit, die gesehen werden muss? Wir bieten dir bei akut eine Plattform, um diese zu publizieren. Sende uns deine Arbeit, eine kurze Beschreibung zu dir und deinem Projekt inkl. Credits an redaktion@akutmag.ch und vielleicht wird auch bald dein Werk bei uns zu sehen sein.
03. Januar 2026