Das Wort Endometriose war mir für lange Zeit kein Begriff. Immer wieder mal hörte ich von Menschen, die starke Beschwerden während ihrer Menstruation haben, aber häufig im Glauben, dass das «halt normal» sei. So hörte ich es auch von meiner Frauenärztin: «So ist nun eben ihre Periode, gewöhnen sie sich daran.» In den letzten Jahren haben sich immer mehr Betroffene zu Wort gemeldet, und die Diagnose Endometriose wurde in der Öffentlichkeit immer bekannter. Damit verbunden werden zum Teil unerträgliche Regelschmerzen, dringend benötigte arbeitsfreie Zeit während der Menstruation und die generellen Schwierigkeiten, die eine solche Diagnose mit sich bringt.
Bei einer Endometriose kommt die Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter auch an anderen Orten des Körpers vor, primär im Beckenbereich. In seltenen Fällen jedoch auch an Organen wie der Lunge, dem Darm oder der Blase. Die Krankheit kann sich in verschiedensten Formen manifestieren, die lokale Entzündungsreaktionen verursachen. Das kann zu starken Schmerzen während, aber auch ausserhalb der Monatsblutung führen. Zusätzliche Symptome sind unter anderem Schmerzen beim Sex oder im Rücken, Blähungsgefühle während der Menstruation, ein gestörter Zyklus (Zwischenblutungen, längere oder stärkere Blutungen) oder auffallende Müdigkeit und Erschöpfung.
Schätzungsweise jeder zehnte Mensch mit einer Gebärmutter ist betroffen, dazu kommen vermutlich noch einige (noch) nicht diagnostizierte Fälle. Das sind 190‘000 Personen, also mehr Menschen, als der Kanton Neuenburg Einwohner*innen hat. Dennoch hat die Medizin das Thema lange unter den Teppich gekehrt. Es gibt aktuell keine bekannten Heilungsmöglichkeiten, und viele Betroffene behandeln ihre Endometriose-Diagnose so, dass sie durchgehend die Pille nehmen oder sich die Spirale einsetzen lassen, um ihre Monatsblutungen zu verhindern: keine Blutung, keine Schmerzen.
Es gibt Personen, die erzählen, wie sie tagelang kaum etwas gegessen haben, vor Schmerzen fast in Ohnmacht fielen, und nicht zur Arbeit gehen konnten. Diese Beschwerden können sich dann Monat für Monat wiederholen. Ebenso herausfordernd kann auch der gesellschaftliche Umgang mit dieser Krankheit sein. Menschen mit Gebärmutter wird seit dem ersten Einsetzen der Monatsblutung immer wieder erklärt, dass Beschwerden während der Menstruation normal sind und dass das zu gewissen Teilen auch einfach ausgehalten werden muss. So lernte ich es von meiner Mutter, wie sie es auch von ihrer Mutter gelernt hat. Damit bleiben Fälle von Endometriose auch lange unentdeckt, weil die betroffenen Personen gelernt haben, «sich zusammenzureissen», oder ihnen von Ärzt*innen zu wenig Gehör geschenkt wird. Wenn du Schmerzen hast, nimmst du halt ein Irfen, oder du kuschelst dich mit der Bettflasche aufs Sofa (wobei mich meine Globi-Bettflasche ehrlich gesagt schon ein paar Mal bei Regelschmerzen gerettet hat).
Dazu kommt, dass die Periode für lange Zeit etwas sehr schambehaftetes war – und es teilweise auch immer noch ist. In der Antike ging man davon aus, dass die Menstruation dazu diente, überschüssige Körperflüssigkeiten zu verlieren und den Körper zu reinigen. So entstand ein Bild vom weiblichen Körper als «fehlerhaften Körper». Bis in die 1980er-Jahre wurde die Monatsblutung kaum untersucht, was auch daran liegt, dass im männlich geprägten Wissenschaftsdiskurs zu wenig Interesse für das Thema herrschte. Auch heute noch wird die Periode als Mangel angesehen: Tampons werden heimlich gekauft, der Begriff «Menstruation» verlegen geflüstert. Das zeigt sich auch im Marketing der Hygieneprodukte. Anbieter von Tampons und Binden rühmen sich damit, «diskrete» Produkte herzustellen. Bluten soll man schliesslich besser im Verborgenen. Es ist also kein Wunder, dass man noch so vieles nicht über die Endometriose weiss – wie sie entsteht, wie sie behandelt werden kann, und was genau welche Symptome verursacht.
Es braucht noch so viel. Es braucht angemessene Forschung im Bereich Endometriose, die dazu dient, das Leiden der Betroffenen zu verringern. Es braucht ein empathisches und zeitgemässes Verhalten von Vorgesetzten, medizinischen Fachpersonen und dem Freundeskreis, wenn es um Menstruationsbeschwerden geht. Vor allem braucht es aber auch Aufklärung – denn es kann nicht sein, dass die Sensibilisierungsarbeit noch so in den Kinderschuhen steckt.
Falls das hier nun jemand liest, der den Verdacht hat, an Endometriose zu leiden oder sonst starke Regelschmerzen hat, hier ein paar Hinweise:
- Vereinbare einen Termin mit deiner frauenärztlichen Praxis oder gleich mit einem Endometriose-Zentrum. Rede dir nicht ein, dass die Symptome «nicht ernst genug» sind – wenn du unter Schmerzen leidest, darfst du dir Hilfe holen.
- Wenn du dich gerne mit anderen Betroffenen austauschen möchtest, gibt es auf endo-help eine Liste mit Selbsthilfegruppen.
- Endometriose ist nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Leiden zu verringern, die bei allen unterschiedlich wirken: Manche schwören auf eine Ernährungsumstellung, andere auf Sport. Wichtig ist, herauszufinden was dir guttut und dir dabei auch Zeit zu lassen.
- Das Leiden ist weiter verbreitet, als lange angenommen. Schäme dich also nicht, auch mit deinen Freund*innen darüber zu reden. Manchmal haben sie auch gute Tipps und Strategien und können unterstützen.
04. Dezember 2025