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Rapper Luuk – «Wenn du versuchst etwas vorzugeben, was du nicht bist, wird es dich früher oder später einholen»

Mit Geduld, Authentizität und offener Kritik hat sich der Schweizer Rapper Luuk einen verdienten Namen in der Szene gemacht. Was hinter seinem neuen Track «Fahne» steckt, warum Ehrlichkeit am längsten währt und auch Bäume Politik sind, verriet er uns im Gespräch.

Von Leila Alder

Luuk, du hast vor einer Woche «Fahne» gedropped. Der erste von drei Tracks die im 3-Wochen-Takt veröffentlicht werden. Was ist die Idee hinter dieser Trilogie?

Ich wollte mal einen anderen Weg einschlagen als gewöhnlich. Die drei Songs sind während des ersten Lockdowns entstanden. Ich fand sie alle ziemlich stark und dass jeder von ihnen Album-Single Potential hat. Ein ganzes Album wollte ich aber nicht droppen, denn wir befinden uns momentan in einer rechten Single-Zeit – also musikmässig. Dennoch bin ich ein Fan davon, ein ganzes Produkt mit Zusammenhang zu erstellen. Nicht inhaltlich aber, dass es schlussendlich ein Ganzes bildet. Die Songs haben alle denselben Vibe und fassen irgendwie all das zusammen, was ich bisher gemacht habe. Auch die drei Covers sind gleich gestaltet, nur das Symbol darauf ändert sich für jeden Song. Gemacht hat sie Noah Schmid.

Du bist wohl einer der ehrlichsten und authentischsten Rapper in unserem Land. Du gewährst einen ziemlich tiefen Einblick in deine Seele und dein Denken. Das macht dich recht angreifbar.

Das macht mich manchmal schon nervös, gleichzeitig gibt es mir eine gewisse Sicherheit. Denn wenn du von Anfang an authentisch und ehrlich bist, läufst du niemals Gefahr, dass du exposed wirst oder dich selbst betrügst. Das gilt nicht nur fürs Musikbusiness sondern für alle Branchen. Wenn du versuchst etwas vorzugeben, was du nicht bist, wird es dich früher oder später einholen. Durch meine Ehrlichkeit passen meine Songs oftmals wie die Faust aufs Auge in die aktuelle Zeit und viele Menschen fühlen sich durch sie verstanden. Das ist schön. Bevor ich «Fahne» gedropped habe, war ich extrem aufgeregt. Wenn ich weiss, dass die Leute etwas geil finden werden, macht es mich stolz aber eben auch verdammt nervös. Ich bin jemand, der mit zu viel Lob nicht gut zurecht kommt. Daran arbeite ich noch (lacht).

Du hältst dich auch mit Kritik, vor allem an unserer Gesellschaft nicht zurück. Was bereitet dir momentan am meisten Sorgen?

Vieles. Vor allem aber unsere Ignoranz. Wir verschliessen unsere Augen vor unseren Privilegien. Dazu kommt der Rechte Aufschwung und die Unsicherheit der Menschen. Frustration und Angst im Volk sind gefährlich. Man sucht Halt und Führung. Oftmals am falschen Ort. Viele schlimme Dinge in unserer Weltgeschichte haben ähnlich begonnen. Fortschritt kannst du nicht aufhalten, er passiert – aber der Fortschritt kann gebremst werden, durch falsche Ideologien und genau das passiert im Moment. Wir gehen immer wieder Schritte zurück statt vorwärts. Das bereitet mir schon Sorgen.

Wie politisch sollten Kreativschaffende denn sein?

Es muss nicht alles in der Kunst politisch sein, dennoch finde ich es wichtig, dass sie gesellschaftlich korrekt ist. Ich würde nie Politiker werden. Aber dennoch mache ich meiner Meinung nach Politik. Ich nutze gerne meine Stimme und meine Reichweite für das, was mir richtig erscheint. Schlussendlich ist alles Politik. Auch dieser Baum da neben uns oder dieser Kübel dort vorne. Deshalb sollte man sich damit befassen, statt mit komischen Theorien, wo man dann das Gefühl hat, das Verbrechen geschieht im Verborgenen – denn das Verbrechen geschieht vor unserer Nase.

In deinen Tracks findet sich oftmals eine gewisse Melancholie, manchmal auch eine Schwermütigkeit. Inspiriert dich Negatives mehr als Positives oder hältst du es einfach für wichtiger, diese Dinge zu thematisieren?

Ich bin ein sehr positiver Mensch. Dennoch finde ich, dass Melancholie etwas sehr Schönes und Inspirierendes ist. Sie hat etwas Trauriges aber auch etwas Hoffnungsvolles an sich. Mein künstlerischer Ausdruck ist das, was mich beschäftigt. Der Schmerz inspiriert mich. Ich sehe und höre natürlich auch viel Positives aber das muss ich als Luuk jetzt nicht unbedingt besingen.

Wie verschafft man sich als junger Musiker, der einen ziemlich steinigen Weg hinter sich hat wie du, solch ein Gehör?

Ich glaube ich habe relativ früh auch mit komerziellem Shit rumprobiert. Aber irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich realisiert habe, dass ich etwas genau so tun muss wie ich es mag, damit es funktionieren kann. In meiner Kochlehre sagte mir mein Chef einmal: «Koch es so, dass du es magst dann mögen es wahrscheinlich auch die anderen.» Übersetzt hiess das für mich: Versuche dir treu zu bleiben. Es braucht vielleicht mehr Geduld auf diesem Weg, dafür ist das Ganze nachhaltiger. Die Erfolgskurve geht bei mir langsam aber stetig nach oben. Man muss einfach Vetrauen haben in das, was man macht – und dieses Vertauen niemals verlieren.

03. April 2021