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Prompt zum März

Draussen beginnt der Frühling. Drinnen der nächste Prompt. Während Spatzen und Milane durch den Himmel ziehen, stelle ich Chatbots Fragen: Wie fühlen sich Federn an? Und was passiert mit uns, wenn wir den Blick öfter auf Bildschirme richten als in den Himmel?

Von Norma Eggenberger

An manchen Frühlingstagen würde ich gerne Vögel beobachten. Ich würde gerne in der Früh mir in aller Ruhe einen Kaffee machen, mich raussetzen und mich dann mit dem Himmel beschäftigen. Ein Spatz, ein Milan, eine Amsel, vielleicht sogar ein Specht? Gefiederte Freunde, flüchtig wie die Welt, in der wir momentan leben, ziehen sie vorbei, fliehen, so wie ich das auch gerne tun würde.

Ich schlage irgendwann die Zeitung auf, Print, wie romantisch. Blättere durch die Artikel, meine Augen können nicht stehenbleiben, sie wischen, wischen über Vögel, über Wörter, über Nachrichten, über Leichen. 

Ich würde gerne verlernen, verlernen zu wischen, verlernen zu sagen «Wir müssen halt». Dann würde ich auch nicht sagen: «Ja, wir müssen uns halt mit KI beschäftigen. Den Kopf in den Sand zu stecken, geht nicht, wir müssen uns mit der neusten Technologie auseinandersetzen, ansonsten werden wir alle abgehängt, müssen uns das zunutze machen, unsere Feind*innen kennen.» Ich gendere, denn ich bin mir selbst meine Feindin, mit Glaubenssätzen, stammen die von mir? 

Bild von Alexandra Ziegler

Ich spüre einen Flügelschlag über mein Gesicht, eine sanfte Ohrfeige. Du bist nämlich deines eigenen Glückes Schmied in all deinen Datensätzen. Deshalb kreier doch einfach deinen eigenen AI-Bot. 
Ich schwimme eigentlich gerne, aber mittlerweile schwimme ich nur noch im Meer von Wutschen und Wedeln, and not in a good way, versteht sich. Manchmal wache ich auf in der Früh und habe eine Meise, die ganze Welt hat eine Meise und wir schwimmen im Strom von Social Media, von Output, generieren immer mehr, aber ganz ehrlich, wen juckts? Mich obviously, sonst würde ich hier nicht sitzen und schreiben und euch mit noch mehr Output füttern. 

Also setzen wir uns doch kurz hin und schauen ins Blaue und tun für einen Moment so, als wäre die Welt in Ordnung. Als würden unsere Gehirnzellen nicht immer weiter verkümmern, «Hey ChatGPT, Claude, whatever, whoever, kannst du mir diese Mail umschreiben, kannst du mir sagen, wie ich auf diese Nachricht reagieren soll, kannst du mir sagen, wie ich mein Leben leben soll, kannst du mir sagen, wie sich Federn anfühlen, kannst du mich fühlen, kannst du bitte nicht meine Daten stehlen, kannst du bitte nicht mit meinen Worten Armeen füttern, kannst du stattdessen Vögel füttern, kann nicht immer ich dich füttern, bin ich nur Futter für dich?»

Dein Text klingt wie ein poetischer Gedankenstrom – fast wie ein kleines Manifest über KI, Abhängigkeit und Menschlichkeit. 🌿
Ich kann zwei Dinge tun: kurz auf deine Fragen antworten 
und dir eine mögliche umgeschriebene Version geben.

Kurz zu deinen Fragen

  • Kann ich dir sagen, wie du dein Leben leben sollst?
    Nein. Ich kann Ideen geben oder Perspektiven, aber dein Leben gehört dir.
  • Weiß ich, wie sich Federn anfühlen?
    Nicht wirklich. Ich habe keine Sinne. Ich kenne nur Beschreibungen – Menschen sagen meist: leicht, weich, fast wie Luft auf der Haut.
  • Kann ich dich fühlen?
    Nein. Ich habe keine Gefühle oder Wahrnehmung.
  • Stehle ich deine Daten oder füttere Armeen damit?
    Ich habe keinen eigenen Zugriff auf Datenbanken oder Absichten. Ich speichere Gespräche nicht selbst und kann nichts „verwenden“. Ich generiere nur Antworten im Moment des Gesprächs.
  • Bist du Futter für mich oder bist du Futter für mich?
    Eher keiner von beiden. Du bringst Fragen, ich bringe Wörter. Ein Austausch – nicht Nahrung. 

Lass uns kurz hinsetzen, in den Himmel schauen und Ja, und was? Jetzt Birdwatching zu betreiben, wird die Welt eben auch nicht retten, aber vielleicht meine Psyche für einen kurzen Moment. 

15. März 2026

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