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POOL STAR 

«POOL STAR» verhandelt zwei Ebenen parallel: Zum einen, wie Schwarze Frauen in einem Raum sichtbar werden, der als offen gilt, sich aber nicht für alle gleich anfühlt. Zum anderen, wie sich mit K.I. und einer bewusst entwickelten Prompt-Sprache Bildräume aneignen lassen, deren zugrunde liegende Infrastruktur nicht aus dieser Perspektive heraus gedacht ist.

Von Gastautor*in

Ein Projekt von Cynthia C. Matumona 

Ich bin in der angolanisch-kongolesischen Diaspora in Zürich aufgewachsen und trage diese Erfahrung als Ausgangspunkt meiner Arbeit in mir. Mit Bildern und Räumen beschäftige ich mich vor allem dort, wo vermeintlich «offene» Orte nicht für alle gleich zugänglich sind und wo sich zeigt, wessen Präsenz als selbstverständlich gilt und wessen nicht. Gemeinsam mit dem Künstler und Herausgeber Piqko Walker da Silva und der Künstlerin und Fotografin Lara Esqueda habe ich «Memories of Many (M.O.M.)» aufgebaut, einen temporären Erinnerungsraum für diasporische Communities in Zürich. Im Zentrum von «M.O.M.» stehen das kollektive Erinnern und Zelebrieren diasporischer Erfahrungen und die Frage, wie Gemeinschaften eigene Infrastrukturen für Erinnerung, Studium und praktische Solidarität schaffen können. Mit «POOL STAR» verschiebe ich diese Auseinandersetzung in digitale Bildräume und arbeite mit K.I.-generierten Bildern, um Fragen von Zugang, Infrastruktur und Imagination aus einer Schwarzen diasporischen Perspektive weiterzudenken. 

Das Schwimmbad ist dabei Bühne und Verdichtung zugleich. Es gilt als offener, gemeinschaftlicher Raum, wird aber in meiner Erfahrung als Schwarze Frau nicht von allen Körpern gleich selbstverständlich betreten.

Kleidung, Blicke, Normen des «richtigen Verhaltens» – all das markiert, wer als passend gelesen wird und wer auffällt. In «POOL STAR» tauchen Schwarze Frauen in diesem Setting ruhig, konzentriert und selbstverständlich auf: wartend, gehend, gleitend, springend, in der Luft schwebend. Sie sind keine Ausnahmefigur, sondern der Ausgangspunkt, von dem aus der Raum gedacht wird.

Die Bilder entstehen mit K.I.-Bildgeneratoren. Das ist keine Nebensache, sondern Teil der Untersuchung. Um zu diesen Motiven zu gelangen, musste ich mir eine eigene Prompt-Sprache aneignen – in Systemen, die stark von westlich geprägten Bildnormen und Datensätzen lernen. Viele erste Ergebnisse reproduzieren vertraute Klischees oder blenden Schwarze Subjektivität aus.

Der Prozess besteht deshalb aus permanentem Umschreiben, Verfeinern, Gegensteuern: eine Form von digitalem Code-Switching, in der ich versuche, Begriffe und Beschreibungen so zu verschieben, dass die Software überhaupt Bilder generiert, in denen Schwarze Frauen nicht als Stereotyp erscheinen, sondern als handelnde Figuren mit eigener Präsenz.

Die Serie lädt dazu ein, das scheinbar harmlose Setting Schwimmbad als politisch aufgeladenen Raum zu lesen und K.I. nicht nur als Effekt, sondern als Werkzeug im Ringen um Zugang, Darstellung und Imagination zu verstehen. 

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29. Januar 2026

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