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Place of the Month: «Schweizerhof Flims»

Unverhofft treffe ich in Flims nicht nur auf jede Menge Neuschnee, sondern auch auf aussergewöhnliche Geschichten und Magie in all ihren Formen – denn das Hotel «Schweizerhof Flims» ist one of a kind.

Von Leila Alder

«Du häsch mega es schöns Buechzeiche» – ein Kompliment, das vor meiner Zugreise aus dem verregneten Zürich ins frischverschneite Flims noch nie zum Einsatz kam. Doch genau dieses Kompliment führte dazu, dass meine kleine Auszeit bereits magisch begann: In Sargans packt mein lesendes Vis-à-vis ihre Sachen zusammen und streckt mir die zarte, gehäkelte Blume – das wirklich aussergewöhnlich schöne Buchzeichen – entgegen. «Wettsch es? Ich würds der mega gern schenke». Dankend und zu Tränen gerührt nehme ich das Präsent an.

Als ich schliesslich in Flims aus dem Postauto steige, erlebe ich einen kurzen Cameron-Diaz-in-«The-Holiday»-Moment. Schneesturm, Neuschnee über Glatteis – ich mit Rollkoffer. Mit Müh und Not und nicht ganz so elegant wie gewohnt schaffe ich die paar Meter bis zum Eingang des «Schweizerhof Flims». Märchenhaft sieht das schlossähnliche, 1902 vom Flimser Ehepaar Mengia und Daniel Schmidt-Candrian erbaute Jugendstil-Hotel im Schneegestöber aus. Ebenso mein äusserst schönes Prinzessinnenzimmer, in dem ich nicht nur bestens schlafe, sondern auch viel lese, mich hübsch mache für Dates mit mir selbst, heisse Bäder geniesse und stundenlang aus dem Fenster auf die verschneiten Berge schaue.

Bei meinem Ausflug an den Caumasee, der nur wenige Gehminuten vom «Schweizerhof Flims» entfernt liegt, bin ich erneut zu Tränen gerührt. Es gibt einige Orte in der Schweiz, die zu Unrecht gehypt werden. Nicht so aber der Caumasee. Das Wasser so klar und so glatt wie ein Spiegel. Keine Menschenseele weit und breit. Nur ich in absoluter Stille. Selbst das leise Gezwitscher der Vögel wird durch den Neuschnee gedämpft. Ich fühle mich wie in einer Schneekugel.

Auf eine ähnliche Ruhe treffe ich im Hotel-Spa. Nach einigen Längen im Schwimmbecken wage ich mich nach langer Zeit mal wieder in eine Sauna. Der direkte Blick in den verschneiten Wald reizt mich. Und da sitze ich schliesslich länger, als man womöglich in einer Sauna sitzen sollte, und drifte ab in andere Sphären. Zeiten.

Ich liebe Geschichte und Geschichten. Davon hat der «Schweizerhof Flims» jede Menge zu erzählen. Besser gesagt Sandra Schmidt. Gemeinsam mit ihrem Mann Christoph führt sie das Hotel in vierter Generation mit viel Herz und Leidenschaft. Dass der Schweizerhof nie aus den Händen der Gründer*innenfamilie geriet, spürt man. Die Art und Weise, wie Sandra mir die Hotel-Geschichten erzählt, ist so vivid, dass ich mich direkt in die 20er-Jahre zurückversetzt fühle – oder in die 40er-Jahre. Damals wurde nämlich der Schweizer Filmregisseur Daniel Schmid im Zimmer 106 als Hotelierssohn geboren.

In seinem Film «Zwischensaison», den ich mir an meinem letzten Abend im Hotelkino anschaue, nähert er sich seinem eigenen biografischen Hintergrund. Er erzählt darin von Valentin, der im Erwachsenenalter und nach langer Abwesenheit ins «Grand Hôtel», den Ort seiner Kindheit, zurückkehrt. Diesen Film in den Mauern des «Schweizerhof Flims» anzuschauen, rührt mich zum dritten Mal zu Tränen.

Zurück nach Zürich will ich definitiv nicht. Doch das Leben ist ja bekanntlich kein Wunschkonzert. So packe ich meinen Rollkoffer und verabschiede mich von meinem Prinzessinnenzimmer und den zuvorkommenden Angestellten. Die vielen Geschichten, Eindrücke und meine kleine persönliche Zeitreise nehme ich in meinem Herzli mit nach Hause.

09. Dezember 2025

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