Logo Akutmag

Place of the Month: «Huus Quell»

Das Appenzell wirkt beklemmend auf mich. Die Decken sind tief und das Mindset eher eng. Womöglich Gründe, warum es bisher kein 5-Sterne-Hotel im Appenzell gab. Letztes Jahr änderte sich dies mit dem «Huus Quell» – ein Haus mit hohen Decken und einem Pool auf dem Dach, der beklemmende Gefühle in Luft auflöst.

Von Leila Alder

Obwohl Gonten winzig klein ist, finde ich das «Huus Quell», das neue Flagship des «Appenzeller Huus», nicht auf Anhieb. Dafür aber das «Huus Löwen» sowie das «Huus Bären», die quasi die kleinen, wenn auch älteren Geschwister vom «Huus Quell» sind. Das «Huus Quell» wurde nach Feng Shui gebaut, deshalb ist seine Platzierung und Ausrichtung etwas merkwürdig. Das Personal vom «Huus Bären» führt mich aber netterweise via Untergrundtunnel – der einzige Tunnel in Appenzell Innerrhoden, wurde mir gesagt – ins 5-Sterne-Haus.

Nach einem reibungslosen Check-in werden mir die wichtigsten Orte im Haus – die Bar, der Weinkeller, die Restaurants und die Spa-Bereiche – sowie die Wege dahin gezeigt. Diese sind nämlich gar nicht mal so unkompliziert. Aber nach einer Weile hat man den Dreh raus. Sogar ich, die keine Orientierung in Gebäuden hat.

Am Abend verschlägt es mich direkt in die «Botanicum Bar». Da werden klassische Cocktails mit regionalen Kräutern und Früchten neu interpretiert. Eine sich selbst bewässernde Kräuterwand in der Bar versorgt die höflichen Barkeeper mit den nötigen Kräutern. Ich bestelle jedoch ein Glas Rotwein, der auch vorzüglich schmeckt und werde dabei mit einem lustigen Beziehungsstreit eines älteren Paares unterhalten.

Der nächste Morgen beginnt mit einem À-la-carte-Frühstück im «Restaurant Quell». Modernes Holzdesign trifft darin auf kunstvolle Textilien von Jakob Schläpfer – diese sind übrigens in allen Häusern sehr präsent. Anschliessend erhalte ich eine Hotelführung. Was mir davon am meisten bleibt: ein Raum, der mich an die Filme «Final Destination» erinnert. Jedoch soll darin eher das Gegenteil erreicht werden – Langlebigkeit nämlich. Mit dem europaweit einzigartigen Konzept «L3 – Long Lasting Lifestyle Circle» wird auf zelluläre Regeneration und nachhaltige Vitalität gesetzt. Bereits vor der Eröffnung des «Huus Quell» wurde das Konzept mit dem «Spa Award 2025» ausgezeichnet.

Der Verdacht, dass Gonten selbst nicht ganz so viel zu bieten hat, bestätigt sich bei meinem Nachmittagsspaziergang. Beim Versuch, aus dem «Kessel» zu kommen, verlaufe ich mich jämmerlich im Wald und muss mithilfe von Google Maps den Rückweg durch verschlammte Wiesen antreten.

Glücklicherweise habe ich aber noch einen weiteren Punkt auf meinem Nachmittagsprogramm: den Infinity-Pool mit Blick auf den Säntis. Dieser macht alles wieder wett. Allgemein überzeugt der Spa-Bereich. Er erstreckt sich über 2200 Quadratmeter und beinhaltet insgesamt neun Pools sowie acht Saunen und Dampfgrotten.

Auch kulinarisch werde ich nicht enttäuscht. Das Abendessen, das ich im «Huus Löwen» einnehme, ist bodenständig und ausgezeichnet. Die freundliche Bedienung, die einen so breiten Appenzeller-Dialekt spricht, dass ich sie kaum verstehe, macht meinen Appenzell-Trip perfekt.

Vor der Abreise am nächsten Tag verschlägt es mich noch ein zweites Mal auf die oberste Etage in den Infinity-Pool. Dabei kommt ein weiteres Highlight des «Huus Quell» zum Einsatz: die kuscheligen Bademäntel. Darin sieht man nicht nur aus wie ein Mönch, man fühlt sich mindestens auch genau so geborgen.

10. Januar 2026

Support us!

Damit wir noch besser werden