Ein Projekt von Yanike Becklas
Eine Halle voll glänzend schwarzer Geräte, rote Wände, Neonlicht. Einer der Fitnesstrainer schmunzelt, als er hört, dass ich für mein Projekt auf der Suche nach «Alpha Males» bin.
«Komm anfangs Woche zwischen sechs und acht Uhr abends wieder, da ist die Dichte besonders hoch», meint er, denn es ginge vielen «Alphas» ja auch darum, beim Trainieren gesehen zu werden. Ihm geht das primitive Verhalten einzelner Gymgäste schon auf den Keks: «Manche kommen hier einfach rein, gehen wieder raus und ich sehe denen an: Da ist mental nix passiert.»
In den folgenden zwei Wochen skizziere ich also im «CleverFit». Mich nimmt Wunder, ob es wirklich Männer gibt, die sich als «Alpha» bezeichnen, was es für sie bedeutet und wie sie auf mich reagieren. Ich stosse zum Beispiel auf John, der mir erklärt, was für ihn traditionelle Maskulinität ist: «Meiner Meinung nach sollte ein Mann die Fähigkeit haben, grossen Schaden anzurichten, aber die emotionale Intelligenz, es nicht zu tun. Oder nur, wenn es um Verteidigung seiner Liebsten geht.»
In der Nähe der Spiegelwand entdecke ich nach ein paar Tagen eine Frau: Dominique trainiert in ihrem schneeweissen Trainingsoutfit ihre Beine. Ich frage, ob ich sie zeichnen darf. «Süss von dir, ja sicher». Sie hat einen breiten sächsischen Dialekt, hört beim Trainieren Techno und morgen hat sie Geburtstag. Auf meine Frage, was sie sieht, wenn sie in den Spiegel schaut, antwortet sie: «No ja, wenn isch misch so angugg, denk isch schonn, jo, das ka mer machn».
Ich interviewe Dominique zu Männlichkeit, Stärke und Dominanz. Es ist spannend und wir lachen viel. Dass ich wenig über Bodybuilding weiss, findet sie süss. Und versucht zum Schluss, mich auch ins Gym zu locken: «Du hosd gudde Genetik, komm doch mal trainieren. Ich will dir deine Schuldern breider machn!»
Diese gezeichnete Reportage ist letzten Dezember im Rahmen meines Illustrationsstudiums entstanden.



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28. Februar 2026