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Maurice de Mauriac – jetzt kommen die «Watchbros»

Generationswechsel sind immer Herausforderung und Chance zugleich für ein Unternehmen. So auch für Maurice de Mauriac. Seit Ende 2020 ist die Zürcher Uhrenmarke in den Händen von Massimo und Leonard – den Söhnen des Gründers Daniel Dreifuss. Was es braucht um das Herz einer Marke weiter und noch höher schlagen zu lassen, haben uns die beiden im Gespräch verraten.

Von Leila Alder

Maurice de Mauriac ist in Zürich mittlerweile sowas wie die Kronenhallen-Bar unter den Uhrenmarken. Das Familienunternehmen besteht seit 1997 und kreiert in ihrem Atelier in Zürich einzigartige Stücke für ihre Kundinnen und Kunden – welche sie gerne auch ihre Freunde nennen. Ende 2020 haben die beiden Söhne von Gründer Daniel Dreifuss, Leonard und Massimo, das Zepter übernommen und führen die Uhrenmarke nun gemeinsam. Wir haben die beiden Jungs zum Gespräch getroffen.

Ihr habt das Geschäft eures Vaters, mit dem Drop eurer ersten eigenen Uhr, der Grand Cœur, übernommen. Erzählt mir was über diese spezielle Uhr.

Massimo: Die Grand Cœur ist die teuerste Uhr, die wir je hergestellt haben. Sie repräsentiert unsere Familie und markiert gleichzeitig einen Neuanfang – eine Art Hommage an Papi. Das Herz der Uhr schlägt hinter dem roten Saphirglas der «L3 sees red», der letzten Uhr die unser Vater entwickelt hat, dieses haben wir bei der Grand Cœur als roten Glasboden eingesetzt. So gibt es den Blick auf das mechanische Automatikwerk frei. 

Leonard: Die Uhr ist etwas sehr Spezielles. Sie ist ein richtiges Statement-Piece – oder ein Herzstück. Deshalb nannten wir die Uhr auch Grand Cœur – sie soll das pulsierende Herz für die nächste Generation symbolisieren.

Grand Coeur Maurice de Mauriac

Wie ist es für euch so ganz ohne Papi? Hält er sich schön brav raus?

Leonard: Sehr, ja! Er hält sich sehr brav raus. Grund dafür ist bestimmt auch, dass die Übernahme nicht von heute auf morgen passiert ist. Wir sind beide schon lange Teil von Maurice de Mauriac. Mit der Zeit haben wir dann immer mehr und mehr Verantwortung übernommen. So konnten wir schön in unsere Rollen reinwachsen und Papi kann sich jetzt entspannt zurück lehnen.

Welche Veränderung bringt der Generationswechsel mit sich?

Massimo: Wir sind die Generation des Umdenkens – gerade was Sustainability betrifft. Wie können wir bestehende Prozesse optimieren, um noch nachhaltiger und transparenter zu arbeiten. Dazu gehört sicher der ganze digitale Bereich, den wir noch mehr pushen wollen, Daten genauer analysieren, Ressourcen sinnvoll nutzen und langfristige Beziehungen zu Herstellern und Lieferanten aufbauen.

Leonard: Es sind wirklich nur kleine Änderungen, die wir vornehmen möchten, da wir eigentlich schon immer sehr nachhaltig funktionierten. Seit Beginn, beziehen wir die verwendeten Materialien soweit es geht aus Zürich. Zudem sind unsere Uhren ein sehr langlebiges Produkt, das über Generationen weitergegeben wird und auch nach 20 Jahren noch von uns repariert werden kann.

Was macht eurer Meinung nach Maurice de Mauriac aus und wo möchtet ihr mit der Marke hin?

Leonard: Grosse Brands müssen nach Geschichten suchen. Wir haben die Geschichten. Wir investieren seit jeher in das Produkt und weniger in die Werbung. Bei uns liegt die Passion und die Faszination ganz bei der Uhr und nicht allem drum herum – diese pure Leidenschaft bindet Menschen an uns. Wir denken immer weiter und kreieren so ganz neue Stories. Oftmals auch gemeinsam mit den Kunden. Ich sage immer: Bei uns kommen die Leute als Kunden rein und gehen als Freunde. Das ist nur möglich, weil unser Vater ein stabiles und persönliches Fundament geschaffen hat, auf welchem wir nun langsam Etage für Etage bauen können. Wir sind durch unsere Grösse sehr flexibel und agil. Das ist unsere Stärke.

Massimo: Uns geht es um die Geschichte und unsere Werte, die weitergebracht werden müssen. Unsere Ambassadors sind Menschen mit Passion, die unserer Philosophie haargenau entsprechen. Mit Maurice de Mauriac bauen wir emotionale Bindungen zu unseren Kunden auf, weil es uns möglich ist. Vom ersten Kennenlernen bis zum Kauf einer Uhr, dauert es zum Teil acht Jahre. Dafür hat man dann etwas Spezielles am Handgelenk, das jede Menge Geschichten erzählt. Wir möchten uns treu bleiben. Langfristig ist das wohl das Beste, was du tun kannst. Nicht riesig werden sondern qualitativ, emotional und herzlich bleiben.

Was ist essentiell damit eine Marke bestehen bleiben kann – gerade auch nach einem Generationswechsel?

Massimo: Oftmals kommen die Jungen direkt aus dem Studium in ein Unternehmen, ohne jemals zuvor darin tätig gewesen zu sein, und meinen Berge verschieben zu können und reich zu werden. Das geht nicht selten in die Hose. Es braucht Geduld, Gespür und Verständnis für das Unternehmen.

Leonard: Ebenfalls ganz wichtig: Respekt vor Langzeit Mitarbeiter und der DNA des Unternehmens. Ein gutes Team ist enorm wichtig, damit eine Firma richtig funktionieren kann. Werte sollten nicht naiv über den Haufen geworfen werden – man muss Altes respektieren, aber auch offen sein, neue Wege einzuschlagen.

Worauf können wir uns 2021 freuen?

Leonard: Es sind drei Launches geplant – was extrem viel ist für so einen kleinen Brand wie uns. Die L2 von Fabian Schwärzler wird neu aufgelegt. Und es sind spannende Collabs in der Pipeline.

Massimo: Wir haben zudem neue Botschafter und neue Möglichkeiten gemeinsam Dinge aufzubauen – wer bleibt noch ein Geheimnis. Wir versuchen mit unseren Möglichkeiten was Cooles auf die Beine zu stellen und passend zu unserem Brand aufzubauen. Wir bleiben schön flexibel, um die aktuelle Situation so gut wie möglich meistern zu können.

12. Februar 2021