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Die Geister, die sie riefen – Ghost Festival

Harte Zeiten bedürfen Unterstützung. Und manche haben diese nötiger als andere. Zum Beispiel Schweizer Artists. Um die coronageschädigten Musikschaffenden zu unterstützen und die Vielfalt in der Musikszene zu erhalten und zu stärken, organisiert ein Schweizer Kollektiv das Ghost Festival. Ein Festival, das nie stattfinden wird.

Von Leila Alder

Break-Up-Song, Morningdance-Song, Sex-Song – Musik begleitet uns in so ziemlich jeder Situation unseres Lebens. Gibt uns Halt, Motivation, weckt Erinnerungen, regt zum Nachdenken an. Wo wären wir ohne sie? Also vor allem ohne diejenigen, die unsere Lieblingssongs mit viel Herzblut und Arbeit schreiben, produzieren und im Normalfall performen. Letzter Punkt ist momentan nicht möglich. Die passionierten Artists erleben in dieser Zeit keinen Nervenkitzel, keine Freude, keinen Beifall, keine Inspiration, kein Ruhm. Das Schlimmste, was einem Künstler widerfahren kann. Grund genug genau denjenigen danke zu sagen und Solidarität zu zeigen.

Der eigens dafür gegründete Ghost Club, ein Kollektiv, hat deshalb das Ghost Festival ins Leben gerufen. Ein Festival, das es gar nicht gibt. Mit dem Geisterfestival soll der Musikbranche kurzfristig finanziell unter die Arme gegriffen und damit auch der Wert anerkannt werden, den Musik und Kultur in der Gesellschaft innehaben. Die finanzielle Unterstützung der «gebuchten» Musikschaffenden gelingt in erster Linie durch einen physischen Ticketverkauf, aber auch durch Partnerschaften und Einnahmen aus Festival-Merchandise-Produkten. Die Einnahmen aus den Ticketverkäufen und den «Support-now-Buttons» fliessen zu 100% an die knapp 1300 Musikschaffenden. Der Betrag wird zu gleichen Teilen pro Kopf verteilt.

Beim Ghost Festival sind Künstlerinnen und Künstler aus verschiedensten Sparten, der Schweizer Musikszene mit dabei. Nebst einigen Newcomers und kleinen Acts, sind aber auch grosse Namen am Start. Diese wiederum verzichten zu Gunsten der restlichen Musikschaffenden auf ihre Gage. 

Kollektiv-Mitglied Dominik Gysin hat uns noch etwas mehr über das soziale Ghost Festival verraten.

Das Ghost Festival ist womöglich das grösste Schweizer Musikfestival aller Zeiten – obwohl es nicht stattfindet. Wie ist euch das gelungen?

Dominik Gysin: Dank der Unterstützung der Schweizer Musikerinnen und Musikern konnten wir das grösste und umfassendste Lineup aller Zeiten buchen. Die Idee durch einen «Nicht-Auftritt» auf die prekäre Lage der Musikbranche hinzuweisen ist bei den Musikerinnen und Musikern auf grossen Anklang gestossen. Das grosse Engagement der Mitglieder des Ghost Clubs die auf so vielen verschiedenen Ebenen zur Zeit fürs Ghost Festival am Arbeiten sind, war und ist enorm motivierend und hat sicherlich zum Erfolg beigetragen.

Denkt ihr die Schweizer Musikszene wird allgemein zu wenig unterstützt?

Dominik Gysin: Es gibt ganz viele staatliche- aber auch private Institutionen die das Musikschaffen in unserem Land unterstützen. Wir sind aber der Meinung, dass da noch Luft nach oben ist. Wir müssen uns alle bewusst sein, dass wir seit Beginn der Pandemie einerseits ständig Musik von Schweizer Artists konsumieren konnten, andererseits diese aber einen grossen Teil ihrer Einnahmen durch Gagen aber auch den Verkauf von CD’s, Platten und Merchandising nicht hatten. Somit brach ein für sehr viele Musikschaffende grosser Teil der Einnahmen weg und darauf wollen wir hinweisen.

Habt ihr einen Vorschlag, wie die Solidarität und der Support für die Artists auch nach dem Ghost Festival weitergehen könnte?

Dominik Gysin: Am Wichtigsten ist es, dass wir diese Menschen nicht vergessen. Wir können den Musikschaffenden in unserem Land durch den Kauf oder das Streaming ihrer Musik zeigen, dass wir sie brauchen. Wenn das das Einzige ist was nach dem Ghost Festival erhalten bleibt, dann haben wir alle zusammen schon einen Beitrag zur Erhaltung der grossartigen Schweizer Musikszene geleistet. Und sobald wieder Konzerte gespielt werden dürfen, müssen wir wieder hingehen.

Bleibt euer Kollektiv bestehen? Wenn ja, was habt ihr für Pläne?

Dominik Gysin: Wir haben uns dazu entschieden weitere Projekte in Angriff zu nehmen. Was da genau entstehen wird, werden wir zu gegebenem Zeitpunkt auf unserer Webseite kommunizieren.

27. Januar 2021