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Das Streben nach der Unsterblichkeit

«Work it, make it, do it – makes us harder, better, faster, stronger», sagte einst ein mittelmässig weiser Mann. Während wir alle zu Robotern mutieren, unseren Fokus auf verkehrte Dinge setzen und versuchen eine immer bessere Version unserer Selbst zu werden, wird vergessen, dass das Leben nicht nur ein Anfang, sondern auch ein Ende hat.

Von Leila Alder

Überleben – ein Trieb. Die Selbsterhaltung ist seit jeher darauf ausgerichtet uns am Leben zu erhalten. Sei es durch bewusste Entscheidungen, angeborene oder eben auch erlernte Verhaltensweisen. Vor einigen Jahren kam dann noch der Trend der Selbstoptimierung dazu. Welche wohl mittlerweile auch zu einem unserer Triebe geworden ist. Also zu etwas, das seinen Ursprung in einer Triebquelle hat und sich durch einen Drang zum Ausdruck bringt.
Ziel ist es, diesen Reizzustand zu beheben. Durch etwas Externes. Heisst übersetzt; wir streben danach Dinge zu finden, die uns weder schwächeln noch sterben lassen. Jedoch ein Ding der Unmöglichkeit.

Wo der Tod früher etwas Alltägliches war, wird er heute regelrecht verpöhnt. Es wird nicht darüber gesprochen und es scheint, als sei das Ziel unserer aller Leben, ihm zu entkommen. Durch das Umgehen von möglichen Gefahren, durch Isolierung, durch Pharmazie und durch die, bereits oben erwähnte, Selbstoptimierung. Wir machen, essen, sagen, denken nicht mehr das, was wir für richtig empfinden, sondern das was wir denken, machen, essen, sagen, denken zu müssen. Das Sollen und Müssen hat das Spüren und Empfinden komplett abgelöst. Kein Alkohol im Januar dafür jeden Tag drei Liter Wasser. Nahrungsergänzungsmittel plus Anti-Depressiva statt Mahlzeiten für Geist und Seele.

Wir leben in einer Hochleistungsgesellschaft. Harder, better, faster, stronger. Immer mehr entfernen wir uns vom Menschsein und entwickeln uns zu kleinen Maschinen. Robotern. Zu dem, was uns bereits an vielen Orten im Leben abgelöst hat. Das Einzige was uns bis anhin von ihnen unterschieden hat, war das Fühlen. Und genau dem scheinen wir ebenso aus dem Weg gehen zu wollen, wie dem Tod. Denn Fühlen heisst Schwächeln und Schwächeln ist falsch. Fühlen heisst Gefahr.

Gefährlich. Wäre es nicht erstrebenswert, die kostbare Zeit, die wir haben so zu verbringen wie es uns als Individuen gut tut? Zu fühlen, was für uns das Richtige ist? Und wenn es jemandem gut tut, sich eine Flasche Wein und zwei Päckli Zigaretten pro Tag zu gönnen, und keinen einzigen Schluck Selleriesaft zu trinken, soll sie oder er doch genau das tun. Weil eben, dem Tod entkommt keiner, Freunde. Keine Impfung, kein Smoothie, kein Workout, kein Fressehalten, kein Geld, kein Erfolg, kein Verdrängen und kein Verstecken wird uns davor bewahren. 

Also setzen wir uns lieber mit ihm auseinander. Akzeptieren wir ihn als Teil – oder Ende – unseres Lebens. Als etwas, das wir alle gemeinsam haben, das uns alle einholt und uns alle betrifft. Werden wir uns bewusst, dass nichts für immer ist und wir lernen müssen loszulassen. Kann es nicht auch entspannend sein zu wissen, dass nicht alles in unserer Macht liegt? Dass egal wie viel wir richtig und falsch machen, wir alle irgendwann aus diesem Game aussteigen?