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Daily Thoughts: Die To-do-Liste

Ich habe ein Gehirn, das funktioniert zwar, aber lustig. Das macht Sachen, da komm ich manchmal selbst nicht mit. Das gumpt von einem Punkt zum nächsten und hat grosse Mühe, an einem Punkt zu bleiben. Einzige Hilfe: Die gute alte To-do-Liste.

Von Leila Alder

«Du musst nichts ausser sterben und Steuern zahlen», diese weisen Worte gab mir mein erster Chef mit auf meinen Weg. Er war ein Verächter von To-do-Listen. Ich auch. Bis mein Gehirn mit meiner Lebengeschwindigkeit nicht mehr mithalten konnte und umgekert. Speicherplatz war voll. Festplatte auch. Extra Festplatte auch. Mein letzter Ausweg? Papier und Stift. Seit drei Monaten führen mein Gehirn und ich Buch. Jeden Morgen setzen wir uns gemeinsam hin – bildlich vorgestellt sieht das jetzt recht lustig aus. Packen unseren Kugelschreiber und unser Notizbüechli aus und schreiben drauf los. Punkt für Punkt was gemacht werden muss – «gemacht werden darf», so würde es mein erster Chef formulieren. Weil es meistens weder um Steuern noch ums Sterben geht.

Auf jeden Fall schreiben wir da Dinge hin wie: «Lorena Illustration», «Flaschen entsorgen», «Versicherung anrufen», «WC-Papier kaufen». Dinge, von denen ich der Meinung bin, dass ich sie aus bestimmten Gründen eben doch tun sollte. Weil es ist zum Beispiel recht scheisse, wenn du am Morgen aufstehst und kein WC-Papier mehr da ist. Ich spreche hier aus Erfahrung: Das ist mir an meinem 26. Geburtstag passiert.

Ich muss jedoch zugeben, manchmal würde ich am liebsten auf die von mir und meinem Gehirn verfassten To-do-Listen kotzen. Vor allem dann, wenn sie sich über mehrere Seiten erstrecken. Das ist grausam. Doch mit jedem abgehäkelten Punkt fühl ich mich besser. Ja, das Abhäkeln wirkt so richtig aufputschend. Und wenn dann hinter jedem To-do ein Häkli steht, dann ist das so ein richtig geiles Gefühl. Da fühlt man sich, als hätte man sein Leben im Griff. Aber so richtig. Unstoppable, Königin der Welt.

Nebst diesem euphorischen Gefühl hilft mir das Niederschreiben, mit Stift auf Papier, aber auch tatsächlich dabei produktiver zu sein. Ich bin fokussierter und verzettle mich nicht in tausend Dinge gleichzeitig, um am Ende zu merken, dass ich gerade eine Stunde in Alles und Nichts investiert habe, ohne Ertrag.

Gestern öffnete ich meinen Briefkasten. Da lag ein Couvert drin, mit meiner definitiven Steuerrechnung. «Steuern bezahlen» war heute der erste Punkt auf meiner To-do-Liste.

19. Mai 2021

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