Ein Projekt von ego andaluz
Ich habe entschieden, mich nicht mehr zu verstecken.
Mit meinem Outing angefangen habe ich dort, wo es mir am schwersten fiel: bei meiner Mutter. Zwei Wochen später bei meinem Vater.
«Draw» ist eine dreiteilige Linolschnitt-Serie, die sich um diese Zeit dreht. Es geht nicht um das Resultat, sondern um den Prozess. Die Soziologie versteht Identität nicht als etwas, das man einmal findet und dann besitzt, sondern als etwas, das ständig neu verhandelt, dargestellt und verteidigt wird. Genau darum geht es bei dieser Serie.
«Break» ist der Bruch – der Körper drückt gegen Wände, die nie real waren, sich aber so anfühlten.
«Contested» ist ein andauernder Kampf zwischen zwei ebenbürtigen Seiten des eigenen Ichs. Dass die eine Seite heute gewinnt, heisst nicht, dass es für immer entschieden ist.
«Reach» hält diesen Zustand in der Schwebe: Zwei Seiten desselben Ichs nähern sich einander an, ohne dass klar ist, was aus dieser Annäherung entsteht.
Es ist die persönlichste Arbeit, die ich je gemacht habe. Keine Erfolgsgeschichte. Sondern eine Serie, die zeigt was in einem vorgeht.


Break
Ein Mann drückt gegen die Wände um sich herum. Die Wand war nie real. Sie stand für alles, was man von ihm erwartete. Dieses Werk zeigt den Bruch: den Moment, in dem Stillhalten nicht mehr ging.

Contested
Zwei Männer im Kampf, einander ebenbürtig. Der eine scheint gerade zu gewinnen, entschieden ist damit aber nichts. Dieses Werk zeigt den inneren Kampf, der sich nie ganz auflöst: einen Konflikt zwischen zwei gleich starken Seiten des Ichs, dessen Ausgang immer offen bleibt.

Reach
Zwei Identitäten berühren sich fast mit den Fingerspitzen. Es ist ein Versuch, herauszufinden, wer vor einem steht. Dieses Werk hält einen Zustand der Schwebe fest: zwischen dem bisherigen Leben und einer Zukunft, deren Ausgang noch unbekannt ist.

Über den Künstler
ego andaluz lebt und arbeitet in Zürich, seine Sprache sind der Linolschnitt und der Siebdruck. Geboren in der Schweiz, geprägt von spanischen und portugiesischen Wurzeln, trägt seine Praxis die Intensität Andalusiens, die stille Melancholie des Alentejo und die Präzision seiner Schweizer Herkunft in sich. Im Druck entstehen homoerotische Bilder, die queeres Begehren, Sichtbarkeit und die Politik der Repräsentation verhandeln.
Mit seinem Hintergrund in der Soziologie interessiert sich ego andaluz dafür, wie Körper kulturell codiert werden und wie wir lernen, sie zu lesen: durch anerzogene Vorstellungen von Geschlecht, Macht, Scham und Begehrenswürdigkeit.
Im Zentrum seiner Praxis steht der Linolschnitt: mehr als ein Medium, eine politische und körperliche Methode. Direkt, physisch, unwiderruflich. Ist der Schnitt einmal gesetzt, gibt es kein Zurück. Genau wie bei der queeren Sichtbarkeit.
Draw ist seine bisher persönlichste Arbeit. Wo frühere Serien Begehren und Selbstinszenierung von aussen betrachten, richtet Draw denselben Blick nach innen: eine dreiteilige Serie, die sich um sein eigenes Coming Out mit 30 dreht, nach drei Jahren, in denen er eine Beziehung aus Angst versteckt hielt. Break, Contested und Reach spiegeln diesen Prozess wider.

Mehr unter www.egoandaluz.com

Hast auch du eine kreative Arbeit, die gesehen werden muss? Wir bieten dir bei akut eine Plattform, um diese zu publizieren. Sende uns deine Arbeit, eine kurze Beschreibung zu dir und deinem Projekt inkl. Credits an redaktion@akutmag.ch und vielleicht wird auch bald dein Werk bei uns zu sehen sein.
27. August 2026