Ein Projekt von Marie Schumann
«Coatings» ist eine Installation im Kunstmuseum St. Gallen. Marie Schumann (*1991, lebt und arbeitet in Zürich) verwandelt damit die Haupttreppe in einen künstlerischen Erfahrungsraum. Auf einem feinen Metallgerüst spannt sie Jacquard-Gewebe, die wie durchlässige Häute den Weg säumen. Die weiche Wand reagiert auf Licht und Bewegung, öffnet und verengt den Raum und lässt Besucher*innen die Architektur als einen Körper erfahren, der sich im Gehen verändert. Es zeigt sich, wie Textil Grenzen, Stimmungen und Beziehungen im Raum formt.

Die leichte Auswölbung der Stoffbahnen erzeugt Momente des Anschmiegens – als würde sich die Wand selbst nach vorn bewegen, um Kontakt aufzunehmen. Das textile Material wird zu einer körperlichen Membran, die Nähe, Schutz und Berührung zugleich vermittelt.


Die Installation knüpft zugleich an die textile Industrie der Ostschweiz an. In Zusammenarbeit mit TISCA Tischhauser nutzt Schumann den Jacquard-Webstuhl nicht für dekorative Muster, sondern künstlerisch-experimentell: Sie «hackt» den digitalen Webprozess, verschiebt Parameter und provoziert Momente, in denen Kette und Schuss bewusst auseinanderdriften. So entstehen Gewebe, die weniger funktional als skulptural sind – textile Oberflächen, die eine körperliche Präsenz entwickeln. «Coatings» macht diese materialorientierte Forschung sichtbar und lädt dazu ein, die Architektur des Museums als etwas Körperliches, Weiches und Bewegliches wahrzunehmen.



Die Ausstellung wurde mit freundlicher Unterstützung der Schweizerischen Seidenindustriegesellschaft und der TISCA Tischhauser Stiftung möglich gemacht und ist noch bis zum 3. Januar 2027 im Kunstmuseum St. Gallen zu sehen.
Mehr unter: marieschumann.com
Bilder: Stefan Rohner und Alexander Schlosser
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18. Juni 2026