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Cancel Culture – du bist gestrichen

Gibt es gewisse Fehltritte, die so gravierend sind, dass sie nicht verziehen werden können? Sodass Menschen aus dem Leben gestrichen werden müssen? Oder kann sich jeder Mensch entschuldigen und entschuldigen lassen?

Von Sina Schmid

Immer wieder kommt es zu Aufforderungen, gewisse Menschen zu canceln statt einen Dialog mit ihnen zu suchen. Dies hat zu einer Cancel Culture geführt, also zu einer Kultur, in welcher Fehlverhalten stark abgelehnt wird, ohne Hoffnung auf Vergebung und Besserung.

Folgend einige Argumente dafür und dagegen, anderen neue Chancen zu geben. 

Beginnen wir mit einem Beispiel: Vor einigen Monaten hat der Rapper Jamule in einem als privat gedachten Video stark rassistische Äusserungen getätigt. Dies in einer Zeit, als das Black Lives Matter Movement in aller Munde war. Jamule profitiert von der Black Culture und wusste um den Kampf gegen den Rassismus gewiss Bescheid. Kann man also seine Entschuldigungen annehmen oder ist seine bewiesene Ignoranz Grund genug um aktiv auf seine Musik zu verzichten?

Wie man so schön sagt: Jeder hat eine zweite Chance verdient. Dies trifft auch für Berühmtheiten zu. Denn diese Menschen werden auf ein Podest gestellt, dem kein Mensch gerecht werden kann – jede und jeder macht Fehler, das ist nichts als menschlich.

Wichtig ist auch das Anstreben eines Dialoges. Über Fehler muss Mensch sprechen, diskutieren und analysieren, so kann daraus gelernt werden.

Ignoranz sollte nicht mit Ignoranz getroffen werden: Wir müssen lehren und lernen.

In einer Welt voller Hass sollten wir mit Liebe voran – Hass sollte nicht mit Hass bekämpft werden sondern mit ganz viel Liebe. Wie können wir Ignoranz verurteilen und selbst ignorant handeln?

Es sollte zu hoffen sein, dass Mensch sich ändern kann. Für was schicken wir so viele ins Gefängnis, wenn wir nicht daran glauben, dass sie sich bessern können? Genauso ist es bei weniger kriminellen Vergehen.

Es gibt keine Wiedergutmachung für gewisse Taten. Eine Vergewaltigung kann nicht einfach so verziehen werden. Wie kann man von den Opfern erwarten diese Taten zu verzeihen?

Ist es möglich, dass jemand im heutigen Zeitalter nicht mitbekommt, was sich gehört und was nicht? Kann Ignoranz entschuldigt werden, bei all den Informationskanälen welche die modernen Technologien zu bieten haben? Spezifisch am Beispiel von Jamule: Er müsste sich doch im Klaren sein, dass Rassismus in keiner Form tolerierbar ist, wieso äusserte er sich dennoch so? Ist das Charaktersache? Oder soll, auf die Kosten von anderen, über ihn gesprochen werden?

Integrity happens in private: Wenn sich Mensch in seinem privaten Umfeld in Sicherheit hegt und dann eine Schandtat begeht, beweist das eigentlich wer Mensch wirklich ist. Es ist leicht in der Öffentlichkeit einen Schein zu wahren, im Privaten zeigt sich das wahre Gesicht. 

Man muss Menschen für ihre Ignoranz zur Rechenschaft ziehen, sodass sie überhaupt einen Anreiz haben sich zu bessern. Wenn ständig toleriert wird was eigentlich verpönt sein sollte wird sich in unserer Gesellschaft nie etwas verbessern.

Was wirklich richtig ist, sei noch herauszufinden – wahrscheinlich ist es auch nicht universal entscheidbar, ob zu verzeihen ist oder nicht.