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Bücher für die Mütter!

Zum Muttertag müssen es nicht immer Blumen, Schokolade oder selbst gemachte Gutscheine sein. Bücher sind auch immer eine ganz passable Option. Hier sind fünf literarische Empfehlungen von Frauen für Frauen.

Von Lea Schlenker

Mütter! Sie machen so viel. Sie verkörpern Weisheit, Wärme und Strenge zugleich. Es gibt biologische Mütter, rechtliche Mütter, soziale Mütter. In manchen Gesellschaften, Religionen und Mythologien werden sie vergöttert. In unseren patriarchalen Gefilden oft angefeindet. Es gibt so vieles, was eine Mutter falsch machen kann. Nebst der Mutterschaft zu arbeiten, ist unverantwortlich, keiner Lohnarbeit mehr nachzugehen, unfeministisch. Ich weiss nicht, ob es auch etwas gibt, was sie richtig machen können. Vielleicht nicht. Aber demnächst ist wieder Muttertag. Der Tag, an dem es Dankbarkeit in Form von Blumen und Schokolade regnen soll. Ich persönlich finde, Solidarität und Liebe kann man auch immer in Form von Büchern finden. Oder zumindest mal eine wohlverdiente Auszeit. Ich würde also empfehlen, zum Muttertag keine schmelzende Praliné oder halbverwelkte Rosen zu schenken, sondern Literatur. Deshalb hier in diesem Text: Fünf Buchempfehlungen für einen feministische(re)n Muttertag.

Michelle Steinbeck & Marina Galli: «Ich will dich sehen mit deinem Verbrechergesicht. Liebesbriefe einer Revolutionärin»

Die Aktivistin Anna Kuliscioff (1854–1925) ist in Italien schon seit längerem bekannt. Nun wurden ihre Briefe von Michelle Steinbeck und Marina Galli zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt. Die Lektüre lohnt sich auch für Menschen, die bisher noch nicht mit der Arbeit von Kuliscioff vertraut sind. Durch die Briefe an ihr nahestehende Menschen bekommt man einen faszinierenden Einblick in eine faszinierende Frau. Sie hat nicht nur gegen den Faschismus und für Gleichstellung gekämpft, sondern auch Medizin studiert, Kinder grossgezogen und immer wieder mit den Spätfolgen einer Tuberkuloseerkrankung gerungen.  Es gibt einen Satz im Buch, geschrieben in Lugano am 23. Oktober 1880. Sie schreibt einen Brief als Antwort auf die hitzige Reaktion ihres Partners darauf, dass sie einen Mann zu sich eingeladen hat. Anna versteht die Aufregung nicht. Sie schreibt: «Schlussendlich sehe ich nur eins: Männern ist wie immer alles erlaubt, während die Frau deren Eigentum sein muss. Der Satz ist alt und banal, aber immer noch wahr, und wer weiss, wie lange er es noch sein wird.»

280 Seiten, Paranoia City Verlag.

Heather Radke: «Butts – A Backstory»

Es gab kürzlich einen TikTok-Trend, mit dem aufdringliche Augenpaare enttarnt werden sollten. Dafür steckte man sich das Handy in die hintere Jeanstasche, schaltete die Kamera an und bannte somit jede Person, die einem auf den Hintern starrte, auf Film. Wir müssen ehrlich zugeben: Um den weiblichen Arsch wird viel Tamtam gemacht. Darum geht es auch im Buch «Butts – A Backstory» von Heather Radke. Die Autorin fragt sich, wie ein Körperteil so für Aufruhr sorgen kann, und bietet einen vielseitigen Einblick in die Geschichte, die Popkultur und die Evolutionsbiologie.

320 Seiten, Simon & Schuster.

Eveline Hasler: «Anna Göldin – letzte Hexe»

Das älteste Buch auf dieser Liste ist ein Roman, der doch viel Realität beinhaltet. Es geht um Anna Göldin, die letzte Frau, die 1782 in Glarus als Hexe hingerichtet wurde. Zuvor war sie als Dienstmagd bei der Familie Tschudi beschäftigt. Dort soll sie Stecknadeln in die Milch der Tochter gezaubert haben. Wobei da eher eine Affäre mit dem Gutsherrn eine Rolle gespielt haben könnte. Das Buch ist, wie zu erwarten, keine leichte Kost. Es zeigt das Schicksal einer Frau auf, die zur falschen Zeit am falschen Ort war. Es ist unschön zu sehen, welche Konsequenzen die Existenz einer Frau in einer patriarchalen Gesellschaft zu dieser Zeit hatte. Gleichzeitig tut es auch immer wieder gut, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Und vielleicht auch etwas für die Gegenwart und für die Zukunft mitzunehmen.

240 Seiten, Nagel & Kimche.

Barbi Marković: «Stehlen, Schimpfen, Spielen»

«Ich bin die Marie Kondo der Literatur. If it doesn’t spark joy – weg damit in die Mülltonne.» Das sage nicht ich, das sagt Barbi Marković. Oder sie schreibt es zumindest. Und ihr Buch «Stehlen, Schimpfen, Spielen» amüsiert alle, die es lesen – nicht nur diejenigen, die die vereinzelten Strapazen des Schreibens und Publizierens kennen. Es geht darum, dass Marković in knapp zwei Wochen eine Poetikvorlesung fertiggestellt haben muss. Also schreibt sie in dieser Zeit alles Mögliche auf, das ihr begegnet und ihr in den Sinn kommt. Diese Texte liefern einen wunderbaren Einblick in die bisherige Arbeit der Autorin.

144 Seiten, Rowohlt Hundert Augen Verlag.

Lidia Yuknavitch: «Schläge»

Lidia Yuknavitch habe ich entdeckt, als ich im Orell Füssli an der Bahnhofstrasse bummelte, bewaffnet mit einem Zweihundert-Franken-Gutschein. Hat man so viele Ressourcen zur Verfügung, darf man auch mal wild und mutig ein Buch von einer Autorin kaufen, von der man zuvor noch nicht gehört hat. Man lebt nur einmal, sagt der Volksmund. Ihr Buch «Schläge» lag in der Buchhandlung präsentiert, als Tipp einer Mitarbeiterin. Eine weitere Weisheit des Volksmundes besagt: Den Mutigen gehört die Welt. Ich bin also froh, dass ich mutig war und dieses Buch gekauft habe, denn: Es ist absolut fantastisch! In zwanzig Erzählungen berichtet sie von unterschiedlichen Leben. Darunter ein junges Mädchen, das sich im Organhandel durchschlagen muss. Eine talentierte Schwimmerin, die auf der Flucht ist. Eine Ex-Drogensüchtige, die auf seltsame Art einer Prostituierten helfen will. Meistens stehen Frauen im Fokus dieser Erzählungen. Ich habe mir schon ihr nächstes Buch besorgt.

208 Seiten, btb Verlag.

29. April 2026

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