Logo Akutmag

9 Gründe, warum wir das Flussschwimmen in der Schweiz so lieben

Das kalte, kristallklare Wasser der Schweizer Flüsse ist jedes Mal aufs Neue die perfekte Abkühlung bei heissen Temperaturen. Dabei ist es egal, ob wir uns mitten in Grossstädten oder umgeben von Bergen mit der Strömung treiben lassen: Es erfrischt uns sowohl innerlich als auch äusserlich. Let's dive in!

Von Janine Friedrich

Einheimische und Touris sind wahrscheinlich gleichermassen begeistert von diesem Kult-Erlebnis: Das Flussschwimmen ist in der Schweiz nicht nur von jung bis alt extrem beliebt, sondern gehört bei vielen schon lange zur Kultur und hat sich im urbanen Lebensstil verwurzelt. Die Behörden fördern es hierzulande aktiv, anstatt es zu verbieten. Dabei wird vor allem auf Eigenverantwortung und Sicherheitshinweise gesetzt. Wer also selbst loslegen will, sollte unbedingt lokale Safety­-Hinweise, zum Beispiel die SLRG-Infos, abchecken!

In vielen anderen europäischen Grossstädten ist das Schwimmen im Fluss hingegen strengstens verboten und meist auch einfach viel zu gefährlich – sei es wegen Schiffsverkehr, schlechter Wasserqualität oder zu starken Strömungen. Es gibt nur ein paar Ausnahmen, wie etwa München, wo das Surfen im Eisbach sowie gelegentliches Baden in der Isar klargeht, oder Paris, wo es jetzt seit über einem Jahrhundert wieder möglich ist, sich in der Seine zu erfrischen. In Berlin gibt es immerhin schon Pläne, die Spree teilweise öffnen zu lassen. Doch bis dahin akzeptieren Schweizer*innen sicher gerne die Bewunderung von ringsherum für dieses hier etablierte und alltägliche Phänomen. Die Flüsse dieses kleinen Landes sind eben nicht nur zum Anschauen da, sondern auch zum Abtauchen – und das kann definitiv süchtig machen ;) Hier unsere Top 9 Gründe, warum wir es so lieben:

1. Infrastruktur

Die bekannten Schwimmstellen der jeweiligen Flüsse sind alle easy zugänglich – wann immer man will. Zugangspunkte wie Leitern, Aufstiegsstufen oder Stege sind bereits in vielen Städten vorhanden. Und da das eben so einfach ist, ist es gar nicht ungewöhnlich, dass der Busfahrer seine Pause auch mal für eine schnelle Abkühlung im Fluss nutzt oder zwei Velofahrerinnen ihre Tour kurz unterbrechen, um reinzuspringen. 

Gut bekannte Zugangsstellen sind in Bern etwa das Eichholz–Marzili, in Basel der Abschnitt zwischen dem Museum Tinguely und der Dreirosenbrücke, in Zürich die Limmat‑Badis, in Thun nach dem Maulbeerkreisel, beim Mühleplatz oder beim Kleist-Inseli und in Genf am Quai du Seujet oder am Ufer entlang des Sentier des Saules. 

2. Sauberkeit und Gesundheit

Seit den achtziger Jahren sorgen moderne Kläranlagen dafür, dass Schweizer Stadtflüsse wie Rhein, Aare, Limmat und Rhone heute so sauber sind, dass man bedenkenlos darin schwimmen kann. In vielen anderen Ländern ist das kaum vorstellbar – dort sind Stadtflüsse sogar gesundheitsgefährdend.

Neben der guten Wasserqualität hat auch die Temperatur positive Effekte auf Körper und Geist, denn auch im Sommer sind die Flüsse meist erfrischend kühl. Das stärkt nicht nur das Immunsystem, sondern fördert ausserdem die Durchblutung und regt den Kreislauf an. Der belebende Frischekick tut nicht nur unserer Haut gut, sondern auch unserer Stimmung: Die Ausschüttung von Endorphinen und Adrenalin ist definitiv vorprogrammiert.

3. Freiheit und Naturnähe

Das Flussschwimmen gibt uns Freiheit. In natürlichen Gewässern zu schwimmen, fühlt sich so ursprünglich an und wir sind direkt mit der Natur verbunden. Manchmal kreuzen vielleicht ein paar Schwäne oder Enten unseren Weg. Auch schön. Dabei können wir sogar meist trotzdem einen historischen Blick vom Wasser auf die Stadt werfen – ziemlich einzigartig!

Und auch durch die wasserdichten Schwimmsäcke haben wir viel mehr Selbstbestimmung: So können wir unsere Kleidung und Wertsachen zum Flussschwimmen mitnehmen und einfach an einer Stelle rein- und an einer anderen Stelle wieder rausgehen. Wo auch immer es uns hintreibt. 

4. Inklusivität und Gemeinschaft

Flussschwimmen ist neben dem generationenübergreifenden Faktor auch multikulturell und sozial verbindend: Keine*r wird von den Flüssen ausgeschlossen. Herkunft, Hautfarbe und Religion sind den natürlichen Gewässern herzlich egal. Beim Flussschwimmen sind Studierende, Bankangestellte, Migrant*innen und Tourist*innen auf einer Augenhöhe – zumindest solange niemand mit dem Kopf abtaucht ;) 

Ausserdem kostet der Spass keinen Eintritt und ist auch für Menschen mit kleinem Budget zugänglich. Auch wer gerade nicht fit genug ist, um mitzuschwimmen – sei es aus gesundheitlichen, körperlichen oder anderen Gründen – kann trotzdem am Ufer sitzen, die Beine ins kühle Nass hängen, den Ausblick geniessen und den besonderen Vibe miterleben. 

5. Kultur und Tradition

Flussschwimmen ist in der Schweiz ein inoffizielles Kulturgut und tatsächlich keine neue Modeerscheinung, sondern gehört zur Geschichte. Schon im 16. Jahrhundert sprangen Stadtbewohner*innen in die Flüsse, um sich zu waschen oder sich abzukühlen. Leider kam es im Zuge der späteren Industrialisierung immer mehr zu Verunreinigungen in den Flüssen. Dadurch wurden städtische Flüsse für Jahrzehnte gesperrt; das Schwimmen galt als ungesund und gefährlich. Mit dem Bau moderner Kläranlagen kehrte das urbane Schwimmen zurück und wurde ziemlich schnell wieder so beliebt, dass es zur Tradition in der Schweiz zählt.

6. Erfrischung und Erlebnis

In heissen Sommern ist Flussschwimmen eine schnelle und kostenlose Abkühlung. Dieses Erlebnis weiten viele noch aus: Sei es mit Musikboxen in ihren Schwimmsäcken, einer Gummiente an der Leine oder einem feuchtfröhlichen Deep-Talk mit Freund*innen im Wasser. Die einen haben vielleicht für später noch ein paar Snacks im Wickelfisch (Basler Schwimmsack), die anderen einen Feierabenddrink. All das kann dann am Ufer mit Sonne und Gemeinschaft genossen werden.

7. Einfachheit

Dieses kühlende Vergnügen ist so einfach wie Glace essen: Es braucht keine Vorbereitung, man kann es mega spontan in den Alltag einbauen. Und selbst, wenn man keinen Schwimmsack oder keine Badesachen dabei hat, geht das zur Not auch ohne – einfach mit den Sachen, die man anhat. Trocknet ja alles wieder. Das Einzige, was man braucht, ist die Lust auf Wasser. Und die bekommt doch jeder schon beim Anblick der schönen Schweizer Flüsse. 

8. Entschleunigung und Antistress

An manchen Stellen der beliebten Flüsse ist die Strömung zwar etwas kräftiger, aber dennoch ist der entschleunigende Effekt allgegenwärtig. Beim Flussschwimmen und beim Sich-treiben-lassen kann man ganz bewusst entspannen. Zumindest für die Zeit im Wasser können alle Sorgen und Probleme, digitale Ablenkung und jeglicher Alltagsstress losgelassen und über Bord geworfen werden.

Der Fluss hat einen ganz eigenen Rhythmus, der sich auf ganz sanfte Art und Weise unsere Hingabe und Präsenz wünscht. Wer weiss, vielleicht können wir dann ja sogar ein bisschen Weisheit rausfischen!

9. Sicherheit durch Selbstverantwortung

Die eigene Sicherheit steht beim Flussschwimmen immer an erster Stelle. Die Schweizer Kantone arbeiten dafür mit der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) zusammen und informieren jeweils vor Ort über Strömungen, Gefahren und Verhaltensregeln. Gleichzeitig ist nicht nur jede Person für sich selbst, sondern auch ein Stück weit für andere verantwortlich. Gegenseitige Achtsamkeit ist also gefragt. Wer neu in der Gegend ist, sollte sich unbedingt bei Einheimischen oder erfahrenen Schwimmer*innen über geeignete Ein- und Ausstiegsstellen, sowie aktuelle Bedingungen erkundigen. So bleibt das Flussschwimmen ein sicheres Vergnügen für alle.

14. Juli 2025

Support us!

Damit wir noch besser werden